<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	xmlns:georss="http://www.georss.org/georss" xmlns:geo="http://www.w3.org/2003/01/geo/wgs84_pos#" xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/"
	>

<channel>
	<title>Die Textkultur</title>
	<atom:link href="http://dietextkultur.wordpress.com/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://dietextkultur.wordpress.com</link>
	<description>Anja Mutschler über Sprache in Debatten</description>
	<lastBuildDate>Fri, 23 Dec 2011 10:55:43 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.com/</generator>
<cloud domain='dietextkultur.wordpress.com' port='80' path='/?rsscloud=notify' registerProcedure='' protocol='http-post' />
<image>
		<url>http://s2.wp.com/i/buttonw-com.png</url>
		<title>Die Textkultur</title>
		<link>http://dietextkultur.wordpress.com</link>
	</image>
	<atom:link rel="search" type="application/opensearchdescription+xml" href="http://dietextkultur.wordpress.com/osd.xml" title="Die Textkultur" />
	<atom:link rel='hub' href='http://dietextkultur.wordpress.com/?pushpress=hub'/>
		<item>
		<title>LoF: 6 months later</title>
		<link>http://dietextkultur.wordpress.com/2011/12/22/lof-6-month-later/</link>
		<comments>http://dietextkultur.wordpress.com/2011/12/22/lof-6-month-later/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 22 Dec 2011 18:25:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Anja Mutschler</dc:creator>
				<category><![CDATA[@mo]]></category>
		<category><![CDATA[Exkurs]]></category>
		<category><![CDATA[Analogie]]></category>
		<category><![CDATA[Diaspora]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook]]></category>
		<category><![CDATA[Leben ohne Facebook]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Netzwerke]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://dietextkultur.wordpress.com/?p=453</guid>
		<description><![CDATA[Mein diesjähriger Weihnachtshit von der Compilation &#8220;About Christmas&#8221;, erschienen bei DevilDuck. Facebook ist der Geliebte. Ist es vorbei, hört man nicht auf, sich für ihn zu interessieren. Man interpretiert die Informationen über den Verflossenen lediglich anders. Man liest und hört alles, was man zu ihm in die Hände kriegt. Ignoriert mit Macht jede Sentimentalität. Schürzt [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=dietextkultur.wordpress.com&amp;blog=18486316&amp;post=453&amp;subd=dietextkultur&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span class='embed-youtube' style='text-align:center; display: block;'><iframe class='youtube-player' type='text/html' width='420' height='315' src='http://www.youtube.com/embed/QOZwvRzPvz8?version=3&amp;rel=1&amp;fs=1&amp;showsearch=0&amp;showinfo=1&amp;iv_load_policy=1&amp;wmode=transparent' frameborder='0'></iframe></span><br />
<em>Mein diesjähriger Weihnachtshit von der Compilation &#8220;About Christmas&#8221;, erschienen bei DevilDuck.</em></p>
<p>Facebook ist der Geliebte. Ist es vorbei, hört man nicht auf, sich für ihn zu interessieren. Man interpretiert die Informationen über den Verflossenen lediglich anders. Man liest und hört alles, was man zu ihm in die Hände kriegt. Ignoriert mit Macht jede Sentimentalität. Schürzt stattdessen verächtlich die Lippen oder murmelt mit fester Stimme: &#8220;Jaja! Wusst ichs doch.&#8221; Hat einer, den man mag, was auf Facebook gelesen und er erzählt einem davon, strafft man die Schultern und man erzählt die Geschichte des Entkommen-Seins:</p>
<p><span id="more-453"></span>Die ersten Wochen des harten Entzugs, diese unsagbare Tapferkeit, wie die alte Gewohnheit dann langsam erblasst ist, die Erleichterung als man eines Tages aufwachte und nicht mehr in <em>Posts</em> dachte und wie man stolz ist, (wieder etwas) &#8220;überwunden&#8221; zu haben: stahlhart, echt! Bei ausführlichen Gesprächen hat man sogar noch ein Erweckungserlebnis parat: Dass es, neben der Tatsache der Datensammelei, auch arg lästig gewesen ist, dass alle schon alles wussten: &#8220;Ja, hab ich auf Facebook schon gelesen&#8221;, war der häufigste Kommentar, wenn ich <em>in echt</em> was erzählen wollte. Bisweilen drehte ich noch eine intelligente Pirouette, die sich um das soziale Miteinander und die Dialogfähigkeit drehte, die sich ja anundfürsich in höchster Gefahr befänden. Und wenn der andere gerade in seiner verunsicherten Phase war, drehte er meist mit. Die Krönung war, wenn er erschöpft zugab: &#8220;Ja, Du hast schon Recht. Ich sollte auch &#8230;&#8221; Boah, tat das gut! So muss sich auch ein Haustür-Prediger fühlen, wenn einer ihm mal nicht die Tür vor der Nase zuknallt. Um so lauter schreit man: &#8220;Sag ich ja!&#8221; Wenn etwa Datenschützer aus der norddeutschen Tiefebene mit selbst geschnitzten Pfeilen auf den Überschallflieger schießen. Oder Facebook öffentlich zugeben muss, dass es wirklich und ganz ehrlich Daten sammelt.</p>
<p>Man freut sich über intelligente, junge Menschen, die der Datenkrake <a href="http://europe-v-facebook.org/DE/de.html" target="_blank">den Kampf </a>ansagen. Das Problem ist: Sie sind in der Seltenheit. Die Welt ohne Facebook ist generell bevölkert von Menschen, mit denen man gar nicht soooo viel zu tun haben will. Zumindest freiwillig. Letzthin wollte ich für einen Freund <a href="http://nextberlin.eu/topic/snippy-app-short-stories-for-smartphones/" target="_blank">voten</a>, konnte das aber nicht, weil ich keinen Facebook-Account habe. Andere Freunde tweeten, wenn ich etwas lustiges sage und ich erinnere mich plötzlich selbst sehr an Menschen, die ich nie mochte. Zu den unangenehmeren Dingen im LoF (Leben ohne Facebook) gehört, mit Menschen über Facebook zu reden, die noch nie ein Konto hatten. Das zweite Problem: Jeder hat sein Privacy-Embargo. Ich zum Beispiel nutze seit Jahren ausgiebig PayPal. Ist doch so praktisch! Andere kriegen plötzlich dünne Lippen, wenn ich das erzähle, haben aber seit Jahren einen Facebook-Account. Im schlimmsten Fall gibt es eine verbitterte Diskussion, ob es jetzt schlimmer sei, dass die amerikanische Regierung im Zweifelsfall sehen kann, bei wem man sich wann welches Dessous gekauft hat oder dass ein Unternehmen mehr über einen weiß als die eigene Familie.</p>
<p>Das erinnert mich an ausführliche Gespräche über die besten Eigenschaften eines Mannes (die ich übrigens auch heute noch führe). Keinem fiele es ein, deshalb keinen Mann zu wählen (na gut, manchmal fällt einem das schon ein, aber das Leben ist einfach zu lang dafür) und ich nehme an, dass es Männern mit Frauen ähnlich geht. Weshalb wir uns ja dann doch immer wieder einen neuen Geliebten suchen, der DAS wirklich besser kann als der vorige: Seit Dezember habe ich <a href="https://joindiaspora.com/u/anmut" target="_blank">ein Konto</a> bei Diaspora.</p>
<p>Jetzt muss ich nur noch rauskriegen, wie ich meine Freunde von Facebook dahinkriege. Allein ist es nämlich ganz schön traurig in einem sozialen Netz.</p>
<p>P.S. Auch wenn eine eher trostloser Analogie ist, zumindest eine fragwürdige, Anwendungen im Internet mit Menschen zu vergleichen, musste ich dieses Post jetzt endlich einmal schreiben. Sonst schreibe ich nie wieder etwas, weil ich ja versprochen habe, dass ich etwas schreibe. Öffentlich versprochen hab ich es. Und danach erst gesehen, dass es einige ziemlich intelligente Menschen gibt, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen. Zum Beispiel <a title="hier" href="http://800millionen.de/">hier</a>. Diesem Druck setze ich mich nie wieder aus. Und deshalb verrate ich jetzt auch nicht, worum es im nächsten Post geht, auch wenn ich es schon weiß. Aber zwischenmenschlicher wirds wieder. Frohes Fest!</p>
<p>P.P.S. <a href="http://elfyourself.jibjab.com/view/JV4ZfrflOM56MhNa?cmpid=ey_url">Was soll ich sagen &#8230;</a></p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/dietextkultur.wordpress.com/453/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/dietextkultur.wordpress.com/453/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/dietextkultur.wordpress.com/453/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/dietextkultur.wordpress.com/453/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/dietextkultur.wordpress.com/453/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/dietextkultur.wordpress.com/453/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/dietextkultur.wordpress.com/453/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/dietextkultur.wordpress.com/453/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/dietextkultur.wordpress.com/453/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/dietextkultur.wordpress.com/453/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/dietextkultur.wordpress.com/453/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/dietextkultur.wordpress.com/453/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/dietextkultur.wordpress.com/453/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/dietextkultur.wordpress.com/453/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=dietextkultur.wordpress.com&amp;blog=18486316&amp;post=453&amp;subd=dietextkultur&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://dietextkultur.wordpress.com/2011/12/22/lof-6-month-later/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
	
		<media:content url="http://1.gravatar.com/avatar/1886d15065f1c2bd6daa71d3ec906c1d?s=96&#38;d=identicon&#38;r=G" medium="image">
			<media:title type="html">dietextkultur</media:title>
		</media:content>
	</item>
		<item>
		<title>In Vorbereitung: Mein Leben ohne Facebook</title>
		<link>http://dietextkultur.wordpress.com/2011/09/30/in-vorbereitung-mein-leben-ohne-facebook/</link>
		<comments>http://dietextkultur.wordpress.com/2011/09/30/in-vorbereitung-mein-leben-ohne-facebook/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 30 Sep 2011 08:59:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Anja Mutschler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://dietextkultur.wordpress.com/?p=450</guid>
		<description><![CDATA[Weil viele mich für verschwunden, verletzt, ermordet oder psychisch deformiert erklären wollten, erscheint in diesen Tagen ein Post über mein Leben ohne Facebook aus total ideologischen Gründen. Wider die Verschmelzung, Leute!<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=dietextkultur.wordpress.com&amp;blog=18486316&amp;post=450&amp;subd=dietextkultur&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Weil viele mich für verschwunden, verletzt, ermordet oder psychisch deformiert erklären wollten, erscheint in diesen Tagen ein Post über mein Leben ohne Facebook aus total ideologischen Gründen. Wider die Verschmelzung, Leute!</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/dietextkultur.wordpress.com/450/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/dietextkultur.wordpress.com/450/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/dietextkultur.wordpress.com/450/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/dietextkultur.wordpress.com/450/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/dietextkultur.wordpress.com/450/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/dietextkultur.wordpress.com/450/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/dietextkultur.wordpress.com/450/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/dietextkultur.wordpress.com/450/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/dietextkultur.wordpress.com/450/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/dietextkultur.wordpress.com/450/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/dietextkultur.wordpress.com/450/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/dietextkultur.wordpress.com/450/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/dietextkultur.wordpress.com/450/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/dietextkultur.wordpress.com/450/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=dietextkultur.wordpress.com&amp;blog=18486316&amp;post=450&amp;subd=dietextkultur&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://dietextkultur.wordpress.com/2011/09/30/in-vorbereitung-mein-leben-ohne-facebook/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
	
		<media:content url="http://1.gravatar.com/avatar/1886d15065f1c2bd6daa71d3ec906c1d?s=96&#38;d=identicon&#38;r=G" medium="image">
			<media:title type="html">dietextkultur</media:title>
		</media:content>
	</item>
		<item>
		<title>Auf einer Welle sitzt auch mal eine Katze</title>
		<link>http://dietextkultur.wordpress.com/2011/08/03/welle_katze/</link>
		<comments>http://dietextkultur.wordpress.com/2011/08/03/welle_katze/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 03 Aug 2011 09:14:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Anja Mutschler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Das haben Sie falsch verstanden, mein Herr!]]></category>
		<category><![CDATA[Kammerstück]]></category>
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://dietextkultur.wordpress.com/?p=410</guid>
		<description><![CDATA[Die Katze isst Gulasch. Mein Gulasch, das auf dem Gartentisch stand, als das Telefon klingelte. Ich habe sie nicht eingeladen, aber nun ist sie da. Sie sieht mich an mit diesem typischen Katzengesicht, das gleichzeitig lächelt und verschlagen dreinblickt. Sie ist schwarz mit ein paar weißen Flecken. Als die Kinder heranstürmen, springt sie weg. Der [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=dietextkultur.wordpress.com&amp;blog=18486316&amp;post=410&amp;subd=dietextkultur&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span class='embed-youtube' style='text-align:center; display: block;'><iframe class='youtube-player' type='text/html' width='425' height='349' src='http://www.youtube.com/embed/4rb8aOzy9t4?version=3&amp;rel=1&amp;fs=1&amp;showsearch=0&amp;showinfo=1&amp;iv_load_policy=1&amp;wmode=transparent' frameborder='0'></iframe></span>
<p>Die Katze isst Gulasch. Mein Gulasch, das auf dem Gartentisch stand, als das Telefon klingelte. Ich habe sie nicht eingeladen, aber nun ist sie da. Sie sieht mich an mit diesem typischen Katzengesicht, das gleichzeitig lächelt und verschlagen dreinblickt. Sie ist schwarz mit ein paar weißen Flecken. Als die Kinder heranstürmen, springt sie weg.</p>
<p><span id="more-410"></span>Der Teller ist blitzblank geschleckt, als ich mich abends an den Tisch setze, um nach der Gutenachtgeschichte eine Zigarette zu rauchen. Ich hätte ihn ohne Zögern neben das gespülte Geschirr in den Schrank stellen können, so sauber ist er. Ich sehe mich um, ob ich das Vieh irgendwo entdecke. Aber natürlich ist sie wie alle guten Katzen verschwunden, jetzt da sie satt ist. Es ist ein Frühsommerabend. Nur ab und an dringt Großstadtlärm durch die Mauern der Häuser. Sie bilden den Innenhof, auf dessen kleinstem Teil ich gerade sitze. Dass die Wohnung einen Garten hat, erschien mir damals so wichtig, als ich dieses Apartment mietete. Es war damals eine in alle Richtungen heilsame Phantasie von einem hübschen Blumenbeet und ein paar Tomaten samt Schaukel für die Kinder. Dass sich nicht alles ändere, trotz Rumpffamilie.</p>
<p>Die Katze, die auf dem Gartentisch sitzt, der auf einem vor sich hinwuchernden Stück Rasen steht, erinnern mich an diese Wehmut vergangener Tage. Ich fühle mich stark, aber die Katze und das irrwitzig saubere Geschirr bringen mich durcheinander. Der Garten, dieser kleinste Teil eines großen Hinterhofes, wächst und wird Versprechen. Würde ich nur die Katze, die den Duft und die Rohheit der Natur symbolisiert, bei mir lassen, in diesem Garten hineinlassen, so würden alle Wunden verheilen, ja es gebe sie nicht mehr, für immer, noch nicht einmal Schorf, alles und ich sei, wie ich nie gewesen bin, alles heil.</p>
<p>Lange sitze ich so da, und sie lässt sich kraulen von mir. Und schnurrt, das verführerische Tier. Als ich ins Bett gehe, lasse ich die Balkontür offen. Ich hoffe, dass die Katze für mich Fakten schafft: Wenn sie morgen neben mir im Bett liegt, darf sie bleiben; der Rest ergibt sich. Vor dem Einschlafen erinnere ich mich an einen Artikel, in dem stand, dass die Hälfte aller Frauen, die sich trennen wollen, Situationen schaffen, in denen der Mann schließlich eine Entscheidung trifft, die eigentlich ihre ist.</p>
<p><!--more-->Am nächsten Morgen steht keine Katze im Zimmer, aber meine Kinder am Fenster: So sauber, Mama. Der Teller ist sauberer, als wenn DU ihn gespült hast, findest Du nicht, sagt mein Sohn. Pragmatisch. Wir könnten die Katze doch zum Spülen holen, dann hätten wir eine Spülkatze. Meine Tochter kreischt mit ihrem herrlichen kleinen Mündchen und zusammen springen sie auf mich und um mich und neben mich, immerzu singend: Spülkatze, wir wolln ne Spülkatze, die macht ne alte Fratze, die Spühülkatze, hihihi. Bald haben wir eine Spülmaschine, sage ich harscher als ich möchte und stehe auf. Beim Frühstück erzählt mir meine Tochter, dass sie von einer Katze geträumt hat. Sie kuschelt sich an mich, und ich spüre sie, unsere gemeinsame Seele, und es tut weh, sie von Träumen erzählen zu hören, auch wenn sie gut sind, aber das Gute träumt man nicht, das macht man.</p>
<p>Kriegen wir ne Katze, fragt sie mich, bevor sie in den Kindergarten geht. Das geht doch nicht, wir wohnen bald ohne Garten, sagt ihr Bruder. Pragmatisch. Ist mir egal, sagt sie und ich will sei küssen, aber die Vernunftheit des Lebens, ich winke zum Abschied und küsse in die Luft, es ist heiß.</p>
<p>Allerdings ist die Katze jeden Tag da. Meine Kinder stellen ihr sofort eine Schleckmilch, wie sie sagen, hin und mein Protest ist halbgar. Als ich eines Morgens die Balkontür öffne, sitzen drei maunzende Katzen da. Am nächsten Tag bringt sie ihre zwei Freunde wieder mit und sie sonnen sich auf meinem Gartentisch, zwischen den Zimmerpalmen, die draußen die Wärme genießen. Ich bin äußerst unfreundlich und ignoriere sie, aber sie liegt so beharrlich wie behaglich weiter auf meinem Gartentisch, als ob die Katzen-Sehnsucht sich sonnt, die Sehnsucht überhaupt, ich muss es unter dem Deckel zu halten, denn es hat ja keinen Sinn, sie schnurrt und maunzt, ich verschwinde, ein letzter Luftkuss, aber dann gehe ich wirklich und sie lächelt ihr verschlagenes, verführerisches Lächeln mir hinter her. Ich google, von wie weit oben Katzen nach unten springen könnten und ob es Stiegen für Wohnkatzen oberer Stockwerke gibt. Gibt es natürlich, es gibt alles heutzutage. Eine Katzenleiter zur Rumpffamilie. Der Gedanke gefällt mir, aber ich weiß nicht, wie ich sie mit zwei linken Händen und dieser Wehmut an ein Haus bauen soll, das mir nicht gehört. Abends lasse ich die Balkontür jetzt immer offen, aber manchmal schließe ich sie auch, das hängt von der Höhe der Welle ab, auf der ich liege, die Wellen, die mich hin und her beugen, seit fast zwei Jahren. Nachts träume ich davon, dass ich von Stränden träume und Katzen, die sich dort sonnen.</p>
<p>Zum Glück wirft eines Tages die Nachbarin ein halbes Hähnchen vom Balkon in meinen Garten. Diese Wut, wie ich ihr hinaufrufe, dass sie ja nicht mehr alle Tassen im Schrank habe. Sie entschuldigt sich sofort, das armes Weib.  Aber ich will nicht wissen, wie viele Mittagsreste schon in meinem Garten gelandet sind und diese Nachfolgen von Ratten, die sich Katzen schimpfen, haben es erst gegessen, bevor sie mir ums Bein gegangen sind.</p>
<p>Was los sei, wollen die Kinder wissen. Lasst uns an den Strand gehen, erwidere ich.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/dietextkultur.wordpress.com/410/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/dietextkultur.wordpress.com/410/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/dietextkultur.wordpress.com/410/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/dietextkultur.wordpress.com/410/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/dietextkultur.wordpress.com/410/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/dietextkultur.wordpress.com/410/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/dietextkultur.wordpress.com/410/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/dietextkultur.wordpress.com/410/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/dietextkultur.wordpress.com/410/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/dietextkultur.wordpress.com/410/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/dietextkultur.wordpress.com/410/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/dietextkultur.wordpress.com/410/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/dietextkultur.wordpress.com/410/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/dietextkultur.wordpress.com/410/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=dietextkultur.wordpress.com&amp;blog=18486316&amp;post=410&amp;subd=dietextkultur&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://dietextkultur.wordpress.com/2011/08/03/welle_katze/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
	
		<media:content url="http://1.gravatar.com/avatar/1886d15065f1c2bd6daa71d3ec906c1d?s=96&#38;d=identicon&#38;r=G" medium="image">
			<media:title type="html">dietextkultur</media:title>
		</media:content>
	</item>
		<item>
		<title>War Goethe je im Ruhrgebiet?</title>
		<link>http://dietextkultur.wordpress.com/2011/04/05/war-goethe-je-im-ruhrgebiet/</link>
		<comments>http://dietextkultur.wordpress.com/2011/04/05/war-goethe-je-im-ruhrgebiet/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 05 Apr 2011 10:18:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Anja Mutschler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://dietextkultur.wordpress.com/?p=390</guid>
		<description><![CDATA[Sich über den Bahnhof Köthen aufzuregen, ist nicht besonders originell. Sich über den Bahnhof Köthen aufzuregen, weil er dem Vorurteil &#8211; im Osten sei alles grau und schmutzig &#8211; vorbildlich entspricht, erscheint  anbiedernd sympathisch: Der Ossi wird geliebt, der Distanz zu seiner Heimat beweist. Is doch so, nä? Indes ist eine neuerdings bekennende Schwäbin solcher [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=dietextkultur.wordpress.com&amp;blog=18486316&amp;post=390&amp;subd=dietextkultur&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sich über den Bahnhof Köthen aufzuregen, ist nicht besonders originell. Sich über den Bahnhof Köthen aufzuregen, weil er dem Vorurteil &#8211; im Osten sei alles grau und schmutzig &#8211; vorbildlich entspricht, erscheint  <del><span style="color:#000000;">anbiedernd</span></del> sympathisch: Der Ossi wird geliebt, der Distanz zu seiner Heimat beweist. Is doch so, nä?</p>
<p>Indes ist eine neuerdings bekennende Schwäbin solcher Anpassungen eher unverdächtig.<br />
Andere Aufregungen passen eher zu ihr: Ihre schon drei Wochen währende Erregung über die (verbalen) Spirenzen beim AKW-Thema, die sich bei weiterer Lektüre im Zug <em>verfestigt</em> (Haben wir nun schon den Super-Gau oder reden wir nur von einer Atomkatastrophe?).  Ihre Müdigkeit, als sie feststellt, dass mal wieder eine <em>erfahrene</em> Telefonistin im Abteil ist, die ihrem Freund gerade die Geschichte vom Freund ihrer Freundin ihrem Freund erzählt. Ihre Nervosität, ein Zwischenlösungs-Handy dazu zu verführen, eine <em>wirklich wichtige</em> Mail abzuschicken (Wie konnte die Welt je ohne Touchpad existieren?).<br />
Dagegen ist es völlig abwegig, ihr zu unterstellen, nach zehn Jahren Leben im Osten hätten sich die Gewichte verschoben, und sie sei plötzlich identitätsmäßig mehr <del>dauerbeleidigt</del> Ost als <del>nervig </del>West. Was, siehe oben, die Köthen-Depression hinreichend erklären würde.</p>
<p>Die beste PR geschieht unbemerkt: aus Überzeugung. Sollte das stimmen, ist die Dame, die natürlich <em>ich bin</em>, im Laufe der letzten Dekade eine penetrante PR-Maschine des Ostens geworden. Je nach Publikum stelle ich &#8220;Ostdeutschland&#8221; &#8211; einen Begriff, den ich sogleich korrigiere &#8211; als wild, schön, mit kulturellen Glanzlichtern versehen, als aufstrebend, gut saniert oder einfach als nett dar. Ich merke das gar nicht. Es geschieht automatisch. Ich kenne alle Vorurteile über die Ossis und habe verschiedene Strategien, das Gegenüber je nach Verfasstheit zu düpieren, zu umschmeicheln, sanft auf den richtigen Weg zu führen. Oder einfach mundtot zu  machen. Beispiel: Ja, die neuen Straßen braucht doch eh keiner, da. Bei uns hier bröckelts und da &#8230; Gegenfrage: Wären die Straßen dort schlecht, würde das die Wahrscheinlichkeit für Sie erhöhen, einmal dort hinzufahren? Dann kann der andere natürlich nur noch sagen: Ich will da überhaupt nicht hinfahren. Was er erfahrungsgemäß nie sagt. Gerade, <em>wenn </em>es wahr ist.</p>
<p>Meine Eltern haben mich 2007 in meiner experimentellen Phase besucht, als ich auf dem Dorf nahe Bitterfeld wohnte (der Blogleser weiß schon mehr, alle anderen erfahren bei Unanstand oder Rückwärts mehr). Wir fuhren eines Tages nach Zerbst /Anhalt. Zerbst liegt westlich von Dessau, das wiederum eine Stunde südlich von Berlin liegt. In Zerbst hat mein Großvater sein Referendariat gemacht. Als Kunstlehrer. Und Goethe war mal hier. Was meinen Großvater (und natürlich auch Goethe) angeht, so war er <em>vor</em> dem Zweiten Weltkrieg. Ein Teil der Erklärung dafür, warum wir uns beim besten Willen nicht vorstellen können, warum er ein Leben lang von Zerbst geschwärmt hat, als wir durch diese graue, reizarme, eben sichtbar wiederaufgebaute Stadt gehen. Gut, es regnet. Gut, es ist Oktober. Gut, es hat nur 8 Grad. Aber meine Mutter, die noch nie in ihrem Leben im Osten gewesen ist (und danach auch nie wiederkommen würde), wird sehr blass. Nichts könnte weiter entfernt vom Ländle sein als Zerbst. Erst laufen wir durch die osttypische Plattenbausiedlung im Zentrum der Stadt. Die wirkt vielleicht in Dresden noch interessant. In Städten wie Zerbst, Köthen, Dessau, Lichtenfels und Chemnitz bewirkt die architecture triste lediglich, dass das (Ab<em>-)Sterben eines Ortes mitten ins Zentrum des Geschehens</em> gerückt ist. Da hilft ein sanierter Kirchturm auch nicht. Natürlich ist  nichts los. Wenn wir jemanden sehen, ist er schlecht angezogen (meine Mutter war immer adrett). Manchmal trägt er eine Glatze, auf die es regnet. Wir bleiben zwei Stunden, gegen unsere sonstige Gewohnheit kehren wir nirgends ein. Das war tiefste Punkt meines Lebens als der PR-Maschine des Ostens.</p>
<p>Köthen heute, an diesem halb gelungenen Tag, scheint zum zweiten Tiefpunkt dieser Karriere werden zu wollen. Ich komme mir vor wie ein verärgertes Elternteil, das seinen Sprössling beschimpft, weil er seine Qualitäten hinter schundiger Ausstrahlung versteckt. Köthen: Bachstadt. Köthen: Stadt der Homöopathie. Ist das so schwierig, diese Pfunde in Willkommensfreude an einem Fernbahnhof zu, ja, transformieren? Ich bin unfair, und das liegt natürlich auch daran, dass ich den Bahnhof Köthen heute aus den Augen eines, sagen wir aus Düsseldorf Anreisenden sehe. Halb Deutschland fährt durch diesen Ort, wenn es nach Leipzig will, versteige ich mich plötzlich. Die Telefonistin hebt kurz die Augenbraue, als ich &#8211; offenbar knurrend &#8211; aus dem Fenster starre.</p>
<p>In Magdeburg beschaut sich ein Penner sein zermürbtes Gebiss. In jenem Zugfenster, hinter dem ich sitze. Ich kann ihm direkt in den Mund schauen. Die gesamte Front fehlt. Er bleckt sie sich trotzdem mit den Zähnen. Ich bekomme einen hysterischen Lachkrampf, als ich es einem am Telefon erzähle. Das Kind vor mir lacht mit, bis die Mutter es rügt, weil das Baby davon aufwachen könnte.</p>
<p>Wir fahren durch Braunschweig. Stadt der Wissenschaft steht in großen Lettern da. Volle Bahnsteige. Mir fallen <del>zu</del> viele Leute ein, die mir erzählen, dass sie immer froh / deprimiert sind, wenn sie über diese Grenzen fahren.Ich ignoriere Braunschweig so gut es geht und fahre mittelmäßig gelaunt bis Hannover. Der Schaffner bescheidet den Umsteigern kurz vor Halt, in diesem Zug sitzen zu bleiben. Der fragliche ICE sei verspätet, der IC schneller am Zielort Köln. Ich seufze. Die Liste der IC-Haltestellen bis dort ist lang. Der Zug quillt über von Auf-den-verspäteten-ICE-Wartenden und Neu-in-den-Zug-Einsteigern, die die Plätze der In-einen-nicht-verspäteten-ICE-Umsteiger einnehmen möchten. Ein Schaffner pickt besonders Bedürftige von den Fluren heraus, was nicht nur zu Freude führt (Seh ich etwa so alt aus? Ich kann noch sehr gut stehen!). Die Telefonistin geht in die fünfte Stunde mit ihrem Freund, jetzt steht sie, da ihr Platz reserviert ist, direkt hinter mir. Es ist voll. Es ist heiß. Ich sehne mich nach dem halbleeren Zug im Osten zurück. Wir fahren durch Bielefeld, wir fahren durch Gütersloh, wir fahren durch Hamm, wo die Dame mit dem Mobiltelefon endlich aussteigt.</p>
<p>Wir fahren durch Hamm, und es wird trist. Es dauert ein wenig, aber als ich die mir hinlänglich, aber nicht freiwillig bekannte Reichsflagge wehen sehe, irgendwo zwischen Hamm und Dortmund und, äh, Hagen?, fällt mir ein <del>Stein vom Herzen</del>, dass ich einige deprimierende Statistiken über diesen Teil des Westens gelesen habe. Nachdem ich sie gelesen hatte, wusste ich, wo ich auf keinen Fall wohnen werde. So passiere ich das Ruhrgebiet in seinem Rücken und denke, dass doch mehr zusammengehört, als man denkt.</p>
<p>Nachtrag: Einige Tage später finde ich meine Reaktion ziemlich übertrieben und revanchistisch. Längst von der Wirklichkeit überholt, der Zwang, immer noch in der Kategorie <em>gesamtdeutsch</em> zu denken. Ganz besonders beim Zugfahren, wie nun jeder weiß. Ich werde über Frankfurt zurückfahren. Vom Süden aus fährt man in den Osten hinein, wie er wirklich ist: Schön und wild und mit kulturellen Glanzlichtern versehen. Aber ob Goethe je im <em>Ruhrgebiet</em> war, schlage ich noch nach.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/dietextkultur.wordpress.com/390/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/dietextkultur.wordpress.com/390/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/dietextkultur.wordpress.com/390/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/dietextkultur.wordpress.com/390/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/dietextkultur.wordpress.com/390/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/dietextkultur.wordpress.com/390/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/dietextkultur.wordpress.com/390/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/dietextkultur.wordpress.com/390/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/dietextkultur.wordpress.com/390/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/dietextkultur.wordpress.com/390/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/dietextkultur.wordpress.com/390/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/dietextkultur.wordpress.com/390/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/dietextkultur.wordpress.com/390/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/dietextkultur.wordpress.com/390/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=dietextkultur.wordpress.com&amp;blog=18486316&amp;post=390&amp;subd=dietextkultur&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://dietextkultur.wordpress.com/2011/04/05/war-goethe-je-im-ruhrgebiet/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
	
		<media:content url="http://1.gravatar.com/avatar/1886d15065f1c2bd6daa71d3ec906c1d?s=96&#38;d=identicon&#38;r=G" medium="image">
			<media:title type="html">dietextkultur</media:title>
		</media:content>
	</item>
		<item>
		<title>Unanstand</title>
		<link>http://dietextkultur.wordpress.com/2011/03/10/unanstand/</link>
		<comments>http://dietextkultur.wordpress.com/2011/03/10/unanstand/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 10 Mar 2011 13:38:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Anja Mutschler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://dietextkultur.wordpress.com/?p=359</guid>
		<description><![CDATA[Mir gegenüber sitzt ein Pärchen mit Hund. Der Mann trägt seinen Schopf, wie hier üblich, sehr kurz. Die Haare der Frau hingegen sind lang und schwarz, was mich hoffen lässt. Ihr nicht uncharmant zwischen Jugend und Reife oszillierendes Gesicht erinnert mich an jemanden. Jemanden aus einer längst verblichenen Zeit, einer Zeit, die mir im Nachhinein [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=dietextkultur.wordpress.com&amp;blog=18486316&amp;post=359&amp;subd=dietextkultur&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="mceTemp" style="text-align:left;"><a href="http://dietextkultur.files.wordpress.com/2011/03/unanstand_4.jpg"></a></p>
<div class="mceTemp"><a href="http://dietextkultur.files.wordpress.com/2011/03/unanstand_3.jpg"><br />
</a><a href="http://dietextkultur.wordpress.com/2011/03/10/unanstand/#gallery-1-slideshow">Anklicken um </a></div>
<div class="mceTemp">Mir gegenüber sitzt ein Pärchen mit Hund. Der Mann trägt seinen Schopf, wie hier üblich, sehr kurz. Die Haare der Frau hingegen sind lang und schwarz, was mich hoffen lässt.<a href="http://dietextkultur.files.wordpress.com/2011/03/unanstand_4.jpg"></a></div>
</div>
<p>Ihr nicht uncharmant zwischen Jugend und Reife oszillierendes Gesicht erinnert mich an jemanden. Jemanden aus einer längst verblichenen Zeit, einer Zeit, die mir im Nachhinein als Aneinanderreihung von Nächten erscheint, in entweder stickigen, brüllend lauten, zugleich knisternden, auf jeden Fall jedoch halbdunklen Räumen, oder entlanglaufend an Flüssen, flüsternd oder schon nicht mehr flüsternd; auf alle Fälle waren es immer verheißungsvolle Nächte gewesen, an die mich die Frau an diesem unauffälligen Dienstagmorgen erinnert. Während der Zug unvermindert vorwärts rattert, laufen meine Gedanken rückwärts, und ich folge ihnen, mit halbem Widerstand, denn sie sind gefährlich für mein Gleichgewicht.</p>
<p><span id="more-359"></span></p>
<p>Unterdes unterhält sich die Frau mit ihrem Mann, versucht ihn mit Worten in diese Welt zu locken. Ich zähle ihre Ringe, es sind vier. Er sieht aus dem Fenster, sein Blick mäandert, offenbar versucht er, die Bäume draußen einzufangen. Sein knapp beschnittenes Haupt mit dem breiten Hals nickt kurz, wenn es ihm erforderlich scheint, allerdings in die ihr entgegengesetzte Richtung. Die Lippen mürb, geschlossen. Ein Fußballfan nach verlorenem Drittliga-Spiel, der mit seinem Kumpel nach Hause fährt, im Geiste die Tabellenplätze zählend, die der Verein verloren hat und in direkter Linie zu den Verlusten seines Lebens wandernd. Eine Frage des Charakters, ob und wie sich diese Verdrossenheit gegenüber den Mitmenschen äußert. Sie äußert sich jedoch, zweifelsohne.</p>
<div id="attachment_367" class="wp-caption alignleft" style="width: 294px"><a href="http://dietextkultur.files.wordpress.com/2011/03/unanstand_1.jpg"><img class="size-large wp-image-367  " style="margin:10px;" title="Unanstand_1" src="http://dietextkultur.files.wordpress.com/2011/03/unanstand_1.jpg?w=284&#038;h=400" alt="Blühende Landschaften, (c) Michael Mutschler, 2011" width="284" height="400" /></a><p class="wp-caption-text">Blühende Landschaften, (c) Michael Mutschler, 2011</p></div>
<p>Da ich selbst schon bei weitaus geringeren Abweisungen verzweifle, keimt Bewunderung für den Langmut der Frau auf. Gleichzeitig bin ich der Farbe ihrer Haare schon jetzt überdrüssig. Es ist die hier übliche Haartönung, asiatisch schwarz heißt sie vielleicht. Dass sie Hautunreinheiten betont, steht offenbar nicht auf der Packung. Auch bei der hiesigen Vertreterin des weiblichen Kolkraben mache ich mehr Hügel und Krater im Gesicht aus, als ihr lieb sein kann.</p>
<p>Und doch schiele ich öfter zu ihr hin. Ihr Gesicht, das mitsamt den tönenden Untiefen mich erinnert, hat mildernde Wirkung auf mich, die ich heute wieder allzu gereizt bin durch den Umstand, überhaupt in diesem Zug sitzen zu müssen.</p>
<p>Derweil rumpelt die  Bahn der nächsten Station entgegen. Die grauen Streifen im unteren Fensterrand, mein Ausweichaussichtsobjekt beim Observieren des Paares, sie gerinnen zu Mauern. Die Gleise quietschen und ich kann den Mörtel zwischen den Steinen erkennen. Wie schlecht geputzte Zähne, denke ich und fahre mir mit der Zunge über dieselben. Ein Tick, der sich in letzter Zeit häufiger bemerkbar macht, als mir lieb ist. Der Hund, im Übrigen nichtssagend, hebt eines seiner Schlappohren, als die Schienen ächzen, und er bellt in einem Ton, der sich vom Geräusch der bremsenden Eisenbahn nicht wesentlich unterscheidet. Die Frau und der Mann beugen sich gleichfalls und gleichzeitig herunter, um den buschigen Köter zu streicheln. Ihre Finger kreuzen sich einen Moment, aber nur sehr kurz. Der Zug wird ein letztes Mal lauter, bevor er zum Stehen kommt. – Im 21. Jahrhundert, in dem ja außer Neapel nichts mehr offiziell stinken darf, sitze ich in einem Zug, der quietscht wie der Webstuhl meiner Großmutter. Ich möchte mir die Ohren zuhalten, statt dessen sehe ich nach draußen, erkenne einen Himmel zwischen weiß und, ja, braun, das Wellblechdach einer Hütte im Vorgarten, ein zusammengeschlagenes Fahrrad und grau vermummte Menschen, die in der Winterkälte auf den Zug warten. Mit eingezogenen Schultern steigt der erste ein, die anderen, fünf, zehn, folgen, ein jeder schweigend, ein jeder für sich. Ich sehe auf die Uhr, kurz nach halb zehn. Wir sind in Rackwitz b. Leipzig. Heute, an meinem Stadttag.</p>
<p>Fahre ich nach Halle an der Saale, bin ich irgendwann einfach da, steige ich aus, denke ich, Halle ist besser als sein Ruf, und eile ich, jenem besseren Ruf entgegen, schnell aus der tristen Bahnhofsumgebung hinaus. Wenn ich aber, verschwitzt, und vom Kopfsteinpflaster, das ich fahrrädisch vergebens versuche plattzutrampeln, moralisch erledigt im Zug nach Leipzig sitze, kennzeichnet Rackwitz die Grenze: hier noch ist die Fremde, gleich ist es geschafft.</p>
<p>In Rackwitz kulminiert die Trostlosigkeit, die ich über die Fahrt angesammelt habe. Spätestens, wenn ich in Wolfen einsteige, in den Zug in die Stadt einsteige, bricht die Unversöhnlichkeit aus mir heraus, die ich im Alltag auf dem Dorfe sorgfältig verberge.</p>
<p>Was muss der Bahnhof Wolfen auch so unansehnlich sein? Immerhin Pendlerbahnhof eines Großunternehmens, und somit andernorts garantiertes Ziel öffentlicher Investitionen, verleibt sich der Bahnhof Wolfen jeden Sinn für das Schöne, Lebendige ein, sobald man ihn betritt. So sehr schäme ich mich für diesen Bahnhof, dass ich meine Gäste lieber vom weiter entfernten Bitterfeld abhole. Auch diese Stadt hat keinen guten Ruf. Aber zumindest einen neuen Bahnhof. Der Bahnhof in Wolfen ist hässlich; und das Wort hässlich, ganz am Ende der nuancierten Bewertungsskala, die ich mir im Architekturstudium zugelegt habe, muss hier stehen. Er ist entsetzlich grau, verkritzelt, und selbst wenn er nicht nach Pisse stinkt wie ein U-Bahn-Schacht in Berlin, riecht man es unwillkürlich. Er sieht so aus. Kein Architekt hat ihn gebaut, höchstens ein betrunkener, denn nach einer geradezu grotesk hohen Eingangshalle, in der nichts steht als eine lächerliche Bank in der Mitte, folgt der Absturz. Eine lange, verholperte Treppe macht jede Möglichkeit zunichte, einen schon einfahrenden Zug zu erwischen. Auch Hochhackiges, Optimistisches gilt es zu vermeiden. Ist man endlich unten, steht man vor einem Schacht von maximal Zweimeterzwanzig Höhe. Ein Schelm, wer glaubt, ein Schacht sei ein Schacht! Die linke Hälfte ist nicht begehbar, Wasser steht dort, immer, und es scheint der Rinnsale mittelalterlicher Gassen zu gedenken, wie sie die Fäulnis der Menschheit abtransportierten. Dabei stinkt es gar nicht. Das Bauamt scheint sich mit dem Schaden arrangiert zu haben: Ein Stahlgitter grenzt die linke von der rechten Seite ab. An diesem hangelt man sich entlang, die niedere Betondecke dräut über einem wie Gottes Zorn, Graffiti rechts, faustischer Sud links. Mit engem Herzen sollte hier keiner herunter. Das Gleis oben ist zugig, und das einzig Beruhigende ist das blaue Stadtschild. Irgend jemand bei der Bahn weiß also, dass es diesen Bahnhof gibt.</p>
<div id="attachment_366" class="wp-caption alignright" style="width: 410px"><a href="http://dietextkultur.files.wordpress.com/2011/03/unanstand_2.jpg"><img class="size-large wp-image-366" style="margin:10px;" title="Unanstand_2" src="http://dietextkultur.files.wordpress.com/2011/03/unanstand_2.jpg?w=400&#038;h=284" alt="Love?, (c) Michael Mutschler, 2011" width="400" height="284" /></a><p class="wp-caption-text">Love?, (c) Michael Mutschler, 2011</p></div>
<p>Fahre ich also an meinem Stadttag nach Leipzig, fahre ich durch Rackwitz. In einem Muster, das ich nicht kenne, hält der Zug dort, spuckt Leute aus und saugt andere ein. In ebenjenem Muster, das ich nicht kenne, aber an keinem anderen der Zwischenhalte außer Rackwitz, bricht sich zugleich auch mein architektonisch, olfaktorisch und irgendwie auch sozial gebrauter Frust Bann.</p>
<p>Meinen überstürzten Aufbrüchen in die Stadt ein Emblem zu geben, sie Stadttag zu nennen, obwohl sie weder montags, dienstags noch ansonsten regelmäßig stattfinden, sondern einer plötzlich aufkeimenden Inbrunst gegenüber dem Leben folgen, die ihr Ventil sucht, ein Impuls des Zweifelns gegenüber dem darstellen, was ist, eine Art skeptischer Suche nach anderen, vielleicht nur vergangenen Möglichkeiten, folgt meinem eingeborenen Hang zum Euphemismus. Stadttag ist das Gegenteil von Landleben, auch dies ein Euphemismus, dem ich, und zwar ausschließlich, unter diesen Voraussetzungen gefolgt bin; das Landleben als Symbol geistiger Freiheit und auratischer Erfrischung, das Landleben zur Sicherung einer heilen Lebenswelt für den Nachwuchs, und nicht zuletzt, vielleicht doch zuerst, das Landleben als das, was der urbane Mainstream außerhalb der Magazin-Wirklichkeit schließlich verwirft; dies zumindest oder schon überhaupt gültig für den Osten unserer Republik. Der Mainstream, der sich permanent gegen sich selbst widersetzt, das bin ich  – und ich bin, so scheint es, an dessen äußerster Grenze angekommen: im Zentrum der Peripherie.</p>
<p>Der Zug ruckelt und fährt wieder an. Das Pärchen sitzt mir noch gegenüber, beide sehen in entgegengesetzte Richtungen. Sie tut mir leid, und sie ist meiner Erinnerung entsprungen.</p>
<p>Sie tut mir leid.</p>
<p>Zwei andere haben sich mittlerweile in unser Abteil dazugesellt, wovon einer gleich einschläft. Der andere hat sein Fahrrad mit dabei und sitzt dicht neben mir. Ich kann seinen Atem riechen. Dann furzt der Köter gegenüber, vernehmlich, und endlich, ich bin fast so erleichtert wie die Mich-an-jemanden-erinnernde-Frau, lächelt der Mann. Er lächelt!</p>
<p>Das Bäuerchen des Hundes ist sein Furz.</p>
<p>Die Frau wendet ihr Gesicht dem Mann zu, verschwörerisch grinst sie, er jedoch sieht schon auf den Hund. Im Abwärtssehen ist er einmal an ihrem Gesicht vorbeigehuscht, aber da war sie noch dabei, die Möglichkeiten zu begreifen. Wäre ich begabt, wäre ich Künstlerin geworden. Videokünstlerin zum Beispiel. Die Szene der sich verpassenden Blickachsen in einer unkommentierten, aber ewigen Wiederholung vor einem blassblauen Hintergrund, ihr Sehnen, sein betontes Nicht-Sehnen, hätte ein Werk werden können. Wie wunderschön das Groteske der Geste zum Vorschein gebracht würde, aus der Anhöhe der Kunst; ich sehe mich einen Moment in der Tate Modern, mit Filmen von Naim Paik und Stan Douglas. Die Illusion hält keine Sekunde. Mächtiger das Bild, das der eigentliche Adressat die Ikonographie des Schmerzensweibes sogleich entzifferte, einmal die Zunge in der Backenhöhle ploppte, um dann vor großem Publikum höhnisch zu kommentieren: Das also ist schon Kunst? Na dann, viel Glück!</p>
<p>Der Mann dreht sich ihr schließlich zu, das Schmunzeln des Herrchens über den stattlich furzenden Hund noch im Gesicht. Er sagt etwas. Sie antwortet, selbstverständlich, und subito.</p>
<p>Mit silbrigem Lächeln, denn sie hat ihn zum Reden gebracht, lehnt sich Asiatisch Schwarz zurück. Sie ist doch eigentlich schön. Kurzhaar schweigt wieder, dieses Mal mit etwas mehr Emphase. Ein fast zufriedenes Gesicht, auch er buhlt ja doch um Zuneigung. Ich muss mich davon abhalten, die Frau nicht zu intensiv anzustarren, die Person, an die sie mich erinnert – oder die sie ist? – muss aus einem meiner ersten Leben stammen. Irgendeine Hoffnung steckt dahinter.</p>
<div class="wp-caption alignleft" style="width: 410px"><img style="border:0 none initial;margin:10px;padding:0;" title="Unanstand_4" src="http://dietextkultur.files.wordpress.com/2011/03/unanstand_4.jpg?w=400&#038;h=284" alt="Landflucht (c) Michael Mutschler, 2011" width="400" height="284" /><p class="wp-caption-text">Landflucht (c) Michael Mutschler, 2011</p></div>
<p><span style="font-size:11px;line-height:17px;"><span style="font-size:13px;line-height:19px;"> </span></span>Ich sehe ihn an.</p>
<p>Mein System rotiert.</p>
<p>Die Weigerung zur Wahrheit ließ einen Freund einst sagen: Investigativ bist du ja nicht gerade; das war deshalb eine Beschimpfung, weil ich damals den bundesrepublikanischen Sumpf journalistisch aufdecken wollte, die Zunge als Waffe, die Moral als Schild. Es bedurfte wehender Fahnen, um skeptisch zu werden – das sprechend-schweigende Symbol einer alten Reichsfahne kann auch der größte Optimist nicht übersehen. Ich sah es am ersten Tag in meiner neuen Heimat. Am 3. Oktober. Danach kippte die Wahrnehmung.</p>
<p>Zur Koordinatensicherung meiner eigenen Gesinntheit habe ich jenes System entwickelt, das im Supermarkt oder im Wartezimmer seine Anwendung findet. Wer welche Gesinnung hat, vor allem, ob er es wohl neben einem Nicht-Deutschen guten Gewissens aushalten könne, umreißt die traurige Dimension meiner inneren Abwägung, die ich jedem Ansässigen angedeihen lasse. Ich fühle mich permanent bedroht; auch von der Abwesenheit von Gesinnungskollegen. Harmlose Bekanntschaften vermitteln gefährliche Botschaften, ich sehe keine Ausländer auf dem Dorf, und wenn, dann fällt es mir gleich auf. Der Schild, den ich mit mir herumtrage, ist eine glückliche Wohnexistenz in Berlin-Neukölln, mein Schwert aber, es ist mir abhanden gekommen. Ich schwanke, ich rede schön, rede schlecht, genieße und leide. Will keinen verdammen und verdamme sie damit alle zugleich. Die rechtstaatliche Ordnung, im Unterricht halb gelangweilt zur Kenntnis genommen, ist mir hier, im Exil, zum Ankerpunkt der eigenen Identität geworden. Mein fast schon körperliches Schwanken bedarf dieses Systems. Zugleich zementiert das System mein Schwanken. Bellt bloß Pawlow? Die, weil trotzig beharrliche, wohl angeborene tolerante Gesinnung hilft im Zentrum der Peripherie jedenfalls nicht weiter.</p>
<p>Rackwitz als erstes Dorf nach der Stadt vermittelt insofern eine Gesinnungsgrenze: Ich stabilisiere oder destabilisiere, je nach Zugrichtung. Das schmuddelige Mädchen mir gegenüber, das mich an frühere Nächte erinnert, nimmt mein noch im Dorfmodus verharrendes, verschrecktes Gefühl deshalb mehr als dankbar zu Kenntnis. Ein Punk, beschließe ich, die sich temporär in den Falschen verliebt hat. Ich lehne mich zurück, tippe: ‚Komme gleich. Kuss!’ in mein Handy, und freue mich. Zehn Minuten noch. Ich schließe die Augen.</p>
<p>Keine Minute später knurrt der Hund. Ich gratuliere ihm innerlich zu seinem Temperamentsausbruch. Als das Pärchen jedoch anfängt zu tuscheln, höchstes Einvernehmen signalisierend, bin ich alarmiert. Habe ich zu offensichtlich observiert? Auch wenn Asiatisch Schwarz meine Sympathie errungen hat, setze ich keinen Pfifferling auf ihre Solidarität. Kriege ich jetzt eins ab, weil ich sie offenen Mundes begafft habe wie die Paviane mit ihren nackten Ärschen im Zoo?</p>
<p>Das Bild einer jener zwangsläufigen Schulfreundinnen, wie man sie so hat, wenn Eltern sich befreunden, wabert in meinem Kopf umher. Große Manga-Augen hinter einer rosa gefärbten Weitsichtbrille, mit denen sie nicht wenige Menschen auf der Straße niederstarrte, gerade einmal neunjährig. Der Inbegriff der schamlosen Voyeurin. Meine Scham damals, weil sie so glotzte, gleichzeitig heimliche Bewunderung dafür, dass sie es tat, gegen jeden Anstand, einfach tat, weil sie es wollte. Selbstbestimmung, die ich erst später fand, dann auch gegen Anstand antretend. – Ob ich nun, ohne es zu merken, ebenso schamlos geworden bin wie sie damals? Allerdings 20 Jahre älter? Immerhin: Hierher zu ziehen, sagen einige, sei auch gegen jeden Anstand gewesen.</p>
<p>Wie verfemt ist es, fremde Leute anzustarren, einzukästeln, sie für meine Erinnerungen zu missbrauchen? Ich hörte die beiden immer noch tuscheln und wage nicht, die Augen zu öffnen. Gott, an den ich aus demselben Grund des Unanstands und auch vorsichtshalber nicht mehr glaube, lieber Gott, denke ich… – vielleicht wäre es indes ein Fortschritt, eine Strafe wert zu sein?</p>
<p>Vorsichtig öffne ich die Augen.</p>
<p>Man ignoriert mich.</p>
<p>Beide starren sie in jeweils deutlicher Erregung einem Schatten hinterher, der eben aus dem Abteil huscht. Der Hals des Mannes ist wuchtig, rot, man sieht die Adern. Die Frau sieht aus, wie ein Kind, dem man beigebracht hat, dreckigen Sand ekelhaft zu finden, und das sein Wissen gerade zum ersten Mal vor der großen Tante vorführt: Dreck, I bäh.</p>
<p>Du auch, will ich ihr zurufen, was gibt dir, mit deinen langen Haaren und deinen weichen Lippen das Recht, mich so zu enttäuschen?</p>
<p>Ich bleibe freilich sitzen, beobachte zynisch die plötzliche Einigkeit zwischen ihnen. Akademisiere über die stützende Rolle der Frau im neuen Rechtsradikalismus. Ihre Sucht nach Harmonie. Meine Sucht danach.</p>
<p>Als das Objekt ihres Hasses, ein schmächtiger Afrikaner von vielleicht 35 Jahren, wiederkommt, kann ich das Spektakel in Gänze beobachten. Seine plötzlich dicken Arme zucken, die Beine wippen unruhig. Sie legt ihm begütigend die Hand auf die Schenkel, reißt aber den Hund am Halsband und zwingt mit niederglühenden Augen den eilig Vorbeiziehenden nieder. Natürlich, denke ich: Wenn‘s dem Zwecke dient&#8230; Sehr ausdauernd starren sie, das Pärchen mit dem knurrenden Hund, und man könnte verbrennen in diesem Blick. Der Afrikaner starrt kurz zurück, aber das Grollen aus des Mannes und des Hundes Maul lässt ihn schnell weiterziehen.</p>
<p>Als ich einige Minuten später in Leipzig ankomme, das bunt und laut ist, träume ich vom Mut, in jedes Dorf im Zentrum der Peripherie riesige und buntbekleidete schwarzhäutige Gummipuppen zu stellen. Asiatisch Schwarz zieht Mann und Hund hinter sich her. Ich frage mich, ob ich ihr nun doch dankbar sein sollte, weil sie den Schwachkopf begütert. Ich seufze. Mein Handy summt.</p>
<p>„Wo bist Du Süße?“</p>
<p>„Im Niemandsland“, tippe ich zur Antwort, und bleibe noch einen Moment stehen, bevor ich mich wegreißen lasse vom geschäftigen Strudel um mich herum.</p>
<div class="wp-caption alignleft" style="width: 610px"><a href="http://dietextkultur.files.wordpress.com/2011/03/unanstand_3.jpg"><img title="Unanstand_3" src="http://dietextkultur.files.wordpress.com/2011/03/unanstand_3.jpg?w=600&#038;h=428" alt="Peripherie bunt, (c) Michael Mutschler, 2011" width="600" height="428" /></a><p class="wp-caption-text">Peripherie bunt, (c) Michael Mutschler, 2011</p></div>
<p style="text-align:center;">(c) Anja Mutschler, 2009.  Das Werk sowie die darin enthaltenen Illustrationen sind urheberrechtlich geschützt.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/dietextkultur.wordpress.com/359/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/dietextkultur.wordpress.com/359/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/dietextkultur.wordpress.com/359/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/dietextkultur.wordpress.com/359/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/dietextkultur.wordpress.com/359/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/dietextkultur.wordpress.com/359/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/dietextkultur.wordpress.com/359/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/dietextkultur.wordpress.com/359/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/dietextkultur.wordpress.com/359/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/dietextkultur.wordpress.com/359/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/dietextkultur.wordpress.com/359/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/dietextkultur.wordpress.com/359/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/dietextkultur.wordpress.com/359/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/dietextkultur.wordpress.com/359/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=dietextkultur.wordpress.com&amp;blog=18486316&amp;post=359&amp;subd=dietextkultur&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://dietextkultur.wordpress.com/2011/03/10/unanstand/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
	
		<media:content url="http://1.gravatar.com/avatar/1886d15065f1c2bd6daa71d3ec906c1d?s=96&#38;d=identicon&#38;r=G" medium="image">
			<media:title type="html">dietextkultur</media:title>
		</media:content>

		<media:content url="http://dietextkultur.files.wordpress.com/2011/03/unanstand_1.jpg?w=723" medium="image">
			<media:title type="html">Unanstand_1</media:title>
		</media:content>

		<media:content url="http://dietextkultur.files.wordpress.com/2011/03/unanstand_2.jpg?w=1024" medium="image">
			<media:title type="html">Unanstand_2</media:title>
		</media:content>

		<media:content url="http://dietextkultur.files.wordpress.com/2011/03/unanstand_4.jpg?w=1024" medium="image">
			<media:title type="html">Unanstand_4</media:title>
		</media:content>

		<media:content url="http://dietextkultur.files.wordpress.com/2011/03/unanstand_3.jpg?w=1024" medium="image">
			<media:title type="html">Unanstand_3</media:title>
		</media:content>
	</item>
		<item>
		<title>Rückwärts</title>
		<link>http://dietextkultur.wordpress.com/2011/02/28/ruckwarts/</link>
		<comments>http://dietextkultur.wordpress.com/2011/02/28/ruckwarts/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 28 Feb 2011 09:32:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Anja Mutschler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Exkurs]]></category>
		<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>
		<category><![CDATA[Beobachtungen]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Bitterfeld]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerung]]></category>
		<category><![CDATA[Potsdam]]></category>
		<category><![CDATA[Reise]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://dietextkultur.wordpress.com/?p=300</guid>
		<description><![CDATA[Die Knattermöhre trägt mich durch blendend helle Gefrorenheit. Es ist Montag und ich fahre aus Leipzig nach Berlin. Die Bahn droht zu streiken, die Berliner S-Bahn tut es auf ihre Weise längst &#8211; so lasse ich mich von meinem grünen Ford auf einer fast leeren Autobahn gen Norden tragen. Dass ich dabei in umgekehrter Reihenfolge [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=dietextkultur.wordpress.com&amp;blog=18486316&amp;post=300&amp;subd=dietextkultur&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_339" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><a href="http://dietextkultur.files.wordpress.com/2011/02/anja-reise1.jpg"><img class="size-large wp-image-339 " title="Reise" src="http://dietextkultur.files.wordpress.com/2011/02/anja-reise1.jpg?w=400&#038;h=285" alt="Reise. (c) Michael Mutschler, 2011." width="400" height="285" /></a><p class="wp-caption-text">Reise. (c) Michael Mutschler, 2011.</p></div>
<p>Die Knattermöhre trägt mich durch blendend helle Gefrorenheit. Es ist Montag und ich fahre aus Leipzig nach Berlin. Die Bahn droht zu streiken, die Berliner S-Bahn tut es auf ihre Weise längst &#8211; so lasse ich mich von meinem grünen Ford auf einer fast leeren Autobahn gen Norden tragen. Dass ich dabei in umgekehrter Reihenfolge die Orte passiere, in denen ich gewohnt habe, wird mir erst klar, als ich am ersten vorbeirausche.</p>
<p><span id="more-300"></span></p>
<p>Die Ausfahrt<strong> Bitterfeld/Wolfen</strong> erreiche ich nach etwa vierzig Minuten. Die Windmühlen grüßen freundlich. Ich bemerke mit leiser Rührung, dass selbst dieser ackerbraune Landstrich Landmarken in mir hinterlassen hat. Nur selten noch gedenke ich dieser zwei Jahre: Der Stadtnomade, der sein Familienglück in der Provinz sucht und in den Stadtausfahrten findet. Als ich fortzog, war ich froh. Die Schönheit ist die Erinnerung, und sie ist in diesem Moment, da ich die Abfahrt passiere, plötzlich allgegenwärtig. Die Autobahnabfahrt, bei der man nach einer langen Reise den Fuß vom Pedal nahm und wusste, jetzt ist man gleich <em>zu Hause</em>. Die Landschaft, deren Kargheit sich manchmal mit einer gewissen inneren Kargheit vereinte. Die Weite des Himmels, der sich von ewig weiten Kohlfeldern erhob, ja, die Felder, durch die man nie quer hindurchgehen konnte, weil keiner bei den LPGs je an Fußgänger gedacht hatte. Die Sonnenuntergänge vor mehr oder weniger verfallenen Herrenhäusern. Die Menschen, die vor allem nie da waren, wo Menschen sonst sind, sich dafür aber an der einzigen Eisdiele der Stadt, der KfZ-Werkstatt in der letzten Straße des Dorfs oder in einer Laube versammelten. Straßen, die nicht für Radfahrer gebaut waren; Busse, die in den Schulferien nicht fuhren; meine Gewissheit, sie müsste sich verfahren haben, als ich im Dorf eines Tages eine ausländische Familie sah; die fehlenden EC-Automaten; Feuerwehrfeste, bei denen auch fünf Bier nicht halfen; die neue Dialektfärbung der Kinder, die im Wort &#8220;Orsch&#8221; gipfelte; ein riesiger Garten; schwere Äpfelbäume, die wir liebevoll entleerten; zu viele Hunde; Igel und Katzenpisse im Keller; einen Salon als Wohnzimmer, in dem ich Autorenlesungen veranstalten wollte, es aber nie tat; die Vorsicht, mit der Leute uns in der ostdeutschen Provinz (nicht) besuchten; eine Küche, halb so groß wie meine Wohnung jetzt; ein Arbeitszimmer mit vier Fenstern, Sternenhimmel, Eiseskälte, kein Sushi-Reis im Umkreis von 20 Kilometern, dafür ein Einwohner pro Windrad. Die stoischen Gesellen staken in den blauen Himmel, als ich vorbeifahre. Ihr unverwüstlicher Gleichmut stimmt mich seltsam heiter.</p>
<p>Schon immer habe ich das Wort &#8220;Fläming&#8221; geliebt. Es riecht nach Heidekraut und schmeckt nach schwarzem Tee, es fühlt sich nach Wind an und Schlafen im Sommerheu. Immer wollte ich wissen, ob die Region diesem Mythos standhält. Mehr als sonst bedaure ich es, auch heute nicht in die Brandenburger Heide abgebogen zu sein, als ich in <strong>Potsdam</strong> einfahre und erst einmal steckenbleibe. Es ist und bleibt die Stadt unlogischer Straßenführung. Seit das Stadtschloss wiederaufgebaut wird, hat man das Gefühl, erst nach Sanssouci fahren zu müssen, bevor man in die Innenstadt kommt. Abzweigungen sind nicht ausgeschildert, Abbiegungen verlaufen ins Leere. Ich fahre über Kopfsteinpflaster, ständig bedroht von Einbahnstraßen, und ende schließlich in einer Sackgasse.<br />
Ich habe reichlich Zeit für Erinnerungen. Und Potsdam, das ich vornehmlich mit Kinderwagen und Radanhänger durchstreift habe, bietet mir an fast jeder Ecke eine. Es erscheint mir schöner als damals. Und größer. Damals war es nur Nicht-Berlin für mich, 35 Minuten zu weit entfernt von der Hauptstadt, zu speckgürtelig und wohlstandsgetragen für eine Frau Mitte Zwanzig, die unversehens zur Kinderwagen-Combo gehörte. Die Bilder, die mich überfluten, sind bittersüß. Sie lehren mich erneut, dass nicht nur Geburtsschmerzen, sondern auch durchwachte Nächte, langweilige Nachmittage, stundenlange Zwangsspaziergänge, Vorlesestunde mit Heita-Reimen und die mühselige Umstellung vom Erwachsenen zum Elternteil am Ende mit Leichtigkeit vergessen ist im Angesicht eines lachenden Kindergesichts. Schlimmer noch: Der Anstrengung wird mit Wehmut gedacht. Die Ahnung, dass am Ende das besonders Erlittene das besonders Schöne sein wird, woran man sich erinnert, wenn es nur noch zu erinnern gibt, verfolgt mich zwei Tage. Mein Gedächtnis findet alle naselang Standbilder, die als Metaphern für nicht begriffenes Glück herhalten müssen. Eine Weile versuche ich, sie abzustreifen. Erst als ich ihnen erlaube einzutreten, verlieren sie die Gewalt über mich.</p>
<p>Anders als in Potsdam, wo ich wie ein Geist im Schloss gewandelt bin, mischen sich in <strong>Berlin</strong> nicht nur Geräusche, Gerüche, Hautfarben und Sprachen, auch meine innere Navigation ist durcheinander. Ich bin irgendeine ehemalige Studentin in Neukölln. Arm, aber glücklich. Ich schreibe meine Magisterarbeit und bin eine arme Dichterin, die an der Aldikasse ihre Pfennige zählte. Meine private Pleite &#8211; Nachwehen meiner Pariser Zeit &#8211; erschien mir damals wie eine große Bedrohung. Dass ich die Intensität eines Milchcafés, an dem ich mich drei Stunden beim Verfassen eines (unvollendeten) Romans  festhielt, jetzt glorifiziere, ärgert mich beinahe. Ich bin eine erfahrene Touristin, die die Baukräne zählt. Einzig das Holocaust-Denkmal ergreift mich, die Erhabenheit der anderen Denkmäler scheint mir auf das Format geschrumpft, in dem es am besten verkäuflich ist: das der Postkarte. In einer Kneipe  sehe ich zum ersten Mal jemanden eine &#8220;Line&#8221; ziehen und werde mehrfach und in verschiedenen Sprachen nach dem Weg gefragt. Ich bin die Autofahrerin, die sich in der Einbahnstraße in einem Parkplatz verkeilt und von &#8211; das muss ich festhalten: netten &#8211; Berlinern herausgelotst wird. Ohne Frauenwitze. Vor allem aber bin ich eine mobile Geschäftsfrau, stets auf dem Weg von einem ins nächste Café. In Kreuzberg gibt es Märkte, die nur noch türkische Namen tragen, aber dafür auch Cafés, die halb so teuer sind wie in Leipzig. Ich treffe Freunde, die hier einen Job haben, und bin nicht neidisch. Als Frau wird man in Berlin übrigens nicht mehr eingeladen &#8211; ich könne es ja jetzt von der Steuer absetzen, heißt es. Wechsle ich den Standort, scheitere ich daran, das U-Bahn-Netz zu lesen und löse zu teure Tickets. Ich habe am Ende möglicherweise alle Berliner Filialen des &#8220;Café Einstein&#8221; besucht und trinke nur noch Tee.<br />
Am zweiten Tag bekomme ich die Elendsdepression. Ein Roma-Kind, das mich aus einem verdreckten Gesicht mit diesen großen, schönen Augen ansieht. Ein humpelnder Jugendlicher, der den Kopf einzieht wie ein Veteran. Eine Bettlerin, die in Filzlumpen eingehüllt ist. Eine Türkin mit geschwollenem Gesicht. Vielleicht habe ich einen Defekt<em>.</em> Vielleicht ende ich eines Tages mit einer zerbrochenen Flasche im Hals, weil ich zur falschen Zeit jemandem helfen wollte. Ich weiß nicht, wie andere in Entwicklungsländer fahren können. Schon in Berlin gehts mir irgendwann immer an die Nieren. Der Impuls, etwas tun zu müssen, und die Einsicht, nichts tun zu können, versetzt mich dieses Mal in tiefe Agonie.<br />
Ich setze mich ins Auto, mein grünes Containerschiff in einem Giftmeer. Zerbeult, aber stabil trägt es mich durch die Kreisverkehre, die mich nicht mehr schrecken. Der Berliner Westen gefällt mir besser, aber vielleicht ist es einfach auch wärmer geworden in den letzten zwei Tagen. Ich zähle die Buchläden am Savigny-Platz und kehre dann entschlossen ein in das letzte Café meiner Berliner Tage.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>(c) Anja Mutschler. Das Werk sowie die darin enthaltenen Illustrationen sind urheberrechtlich geschützt.</p>
<p style="text-align:center;">&nbsp;</p>
<div class="mceTemp mceIEcenter">
<dl class="wp-caption aligncenter">
<dt class="wp-caption-dt"> </dt>
</dl>
</div>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/dietextkultur.wordpress.com/300/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/dietextkultur.wordpress.com/300/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/dietextkultur.wordpress.com/300/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/dietextkultur.wordpress.com/300/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/dietextkultur.wordpress.com/300/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/dietextkultur.wordpress.com/300/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/dietextkultur.wordpress.com/300/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/dietextkultur.wordpress.com/300/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/dietextkultur.wordpress.com/300/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/dietextkultur.wordpress.com/300/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/dietextkultur.wordpress.com/300/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/dietextkultur.wordpress.com/300/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/dietextkultur.wordpress.com/300/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/dietextkultur.wordpress.com/300/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=dietextkultur.wordpress.com&amp;blog=18486316&amp;post=300&amp;subd=dietextkultur&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://dietextkultur.wordpress.com/2011/02/28/ruckwarts/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
	
		<media:content url="http://1.gravatar.com/avatar/1886d15065f1c2bd6daa71d3ec906c1d?s=96&#38;d=identicon&#38;r=G" medium="image">
			<media:title type="html">dietextkultur</media:title>
		</media:content>

		<media:content url="http://dietextkultur.files.wordpress.com/2011/02/anja-reise1.jpg?w=1024" medium="image">
			<media:title type="html">Reise</media:title>
		</media:content>
	</item>
		<item>
		<title>More to come soon</title>
		<link>http://dietextkultur.wordpress.com/2011/02/23/more-to-come-soon/</link>
		<comments>http://dietextkultur.wordpress.com/2011/02/23/more-to-come-soon/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 23 Feb 2011 10:36:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Anja Mutschler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://dietextkultur.wordpress.com/?p=302</guid>
		<description><![CDATA[Artikel in Bearbeitung: Schweigen II (das Gute) Dialoge III: dieses Mal Gerechtigkeit mit dem Idealisten/Realisten. Spannende Frage z.B. hier: http://www.zeit.de/2011/08/01-Gerechtigkeit. Rückwärts (was passiert, wenn man innerhalb von 48 Stunden 3 Orte kreuzt, in denen man einst gewohnt hat?) Morgen hoffentlich mehr.<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=dietextkultur.wordpress.com&amp;blog=18486316&amp;post=302&amp;subd=dietextkultur&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Artikel in Bearbeitung:</p>
<ul>
<li>Schweigen II (das Gute)</li>
<li>Dialoge III: dieses Mal Gerechtigkeit mit dem Idealisten/Realisten. Spannende Frage z.B. hier: <a href="http://www.zeit.de/2011/08/01-Gerechtigkeit">http://www.zeit.de/2011/08/01-Gerechtigkeit</a>.</li>
<li>Rückwärts (was passiert, wenn man innerhalb von 48 Stunden 3 Orte kreuzt, in denen man einst gewohnt hat?)</li>
</ul>
<p>Morgen hoffentlich mehr.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/dietextkultur.wordpress.com/302/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/dietextkultur.wordpress.com/302/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/dietextkultur.wordpress.com/302/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/dietextkultur.wordpress.com/302/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/dietextkultur.wordpress.com/302/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/dietextkultur.wordpress.com/302/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/dietextkultur.wordpress.com/302/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/dietextkultur.wordpress.com/302/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/dietextkultur.wordpress.com/302/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/dietextkultur.wordpress.com/302/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/dietextkultur.wordpress.com/302/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/dietextkultur.wordpress.com/302/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/dietextkultur.wordpress.com/302/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/dietextkultur.wordpress.com/302/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=dietextkultur.wordpress.com&amp;blog=18486316&amp;post=302&amp;subd=dietextkultur&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://dietextkultur.wordpress.com/2011/02/23/more-to-come-soon/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
	
		<media:content url="http://1.gravatar.com/avatar/1886d15065f1c2bd6daa71d3ec906c1d?s=96&#38;d=identicon&#38;r=G" medium="image">
			<media:title type="html">dietextkultur</media:title>
		</media:content>
	</item>
		<item>
		<title>Wow!</title>
		<link>http://dietextkultur.wordpress.com/2011/02/16/wow/</link>
		<comments>http://dietextkultur.wordpress.com/2011/02/16/wow/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 16 Feb 2011 08:29:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Anja Mutschler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://dietextkultur.wordpress.com/?p=292</guid>
		<description><![CDATA[Danke für die vielen Zugriffe gestern. Auch ich liebe steigende Kurven &#8230; Ich sammle neue Themen fürs nächste Wochenende. Bitte nicht zögern, mich anzusprechen. Auch gerne: Gastbeiträge, Illustrationen, Links. Einfach mailen. Und jetzt husch, an die Arbeit!<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=dietextkultur.wordpress.com&amp;blog=18486316&amp;post=292&amp;subd=dietextkultur&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Danke für die vielen Zugriffe gestern. Auch ich liebe steigende Kurven &#8230; Ich sammle neue Themen fürs nächste Wochenende. Bitte nicht zögern, mich anzusprechen. Auch gerne: Gastbeiträge, Illustrationen, Links. Einfach <a href="mailto:am@nimirum.info" target="_blank">mailen</a>.</p>
<p>Und jetzt husch, an die Arbeit!</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/dietextkultur.wordpress.com/292/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/dietextkultur.wordpress.com/292/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/dietextkultur.wordpress.com/292/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/dietextkultur.wordpress.com/292/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/dietextkultur.wordpress.com/292/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/dietextkultur.wordpress.com/292/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/dietextkultur.wordpress.com/292/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/dietextkultur.wordpress.com/292/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/dietextkultur.wordpress.com/292/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/dietextkultur.wordpress.com/292/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/dietextkultur.wordpress.com/292/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/dietextkultur.wordpress.com/292/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/dietextkultur.wordpress.com/292/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/dietextkultur.wordpress.com/292/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=dietextkultur.wordpress.com&amp;blog=18486316&amp;post=292&amp;subd=dietextkultur&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://dietextkultur.wordpress.com/2011/02/16/wow/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
	
		<media:content url="http://1.gravatar.com/avatar/1886d15065f1c2bd6daa71d3ec906c1d?s=96&#38;d=identicon&#38;r=G" medium="image">
			<media:title type="html">dietextkultur</media:title>
		</media:content>
	</item>
		<item>
		<title>Ich wünschte, Peter Høeg hätte das geschrieben</title>
		<link>http://dietextkultur.wordpress.com/2011/02/14/frauenquote-a-la-hoeg/</link>
		<comments>http://dietextkultur.wordpress.com/2011/02/14/frauenquote-a-la-hoeg/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 14 Feb 2011 21:51:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Anja Mutschler</dc:creator>
				<category><![CDATA[(S)paarsame Rhetorik]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Das haben Sie falsch verstanden, mein Herr!]]></category>
		<category><![CDATA[Kammerstück]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenquote]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Hoeg]]></category>
		<category><![CDATA[Quote]]></category>
		<category><![CDATA[Satire]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://dietextkultur.wordpress.com/?p=94</guid>
		<description><![CDATA[Die Debatte zur Frauenquote. Ein Kammerstück. Es treten auf: Die Frau, die kann, aber nicht will (Frau Willnicht, aka: Will-Nicht). Der Mann, der will, aber nicht kann (Herr Kannicht). Der Mann, der nicht kann, aber darf (Herr Wieesheutesoläuft). Die Frau, die können wollen würde, wenn sie dürfte (Frau Wieesheutesoläuft). Die Frau, die neuerdings darf, obwohl keiner [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=dietextkultur.wordpress.com&amp;blog=18486316&amp;post=94&amp;subd=dietextkultur&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1 class="mceTemp" style="text-align:left;">Die Debatte zur Frauenquote. Ein Kammerstück.</h1>
<div id="attachment_248" class="wp-caption alignright" style="width: 228px"><a href="http://dietextkultur.files.wordpress.com/2011/02/frauenquote-003.jpg"><img class="size-full wp-image-248  " style="margin-left:10px;margin-right:10px;" title="Frauenquote 003" src="http://dietextkultur.files.wordpress.com/2011/02/frauenquote-003.jpg?w=530" alt="Stabwechsel. (c) Michael Mutschler, 2011"   /></a><p class="wp-caption-text">Stabwechsel. (c) Michael Mutschler, 2011</p></div>
<p>Es treten auf:</p>
<ul>
<li>Die Frau, die kann, aber nicht will (<strong>Frau Willnicht, aka: Will-Nicht</strong>).</li>
<li>Der Mann, der will, aber nicht kann (<strong>Herr Kannicht</strong>).</li>
<li>Der Mann, der nicht kann, aber darf (<strong>Herr Wieesheutesoläuft</strong>).</li>
<li>Die Frau, die können wollen würde, wenn sie dürfte (<strong>Frau Wieesheutesoläuft</strong>).</li>
<li>Die Frau, die neuerdings darf, obwohl keiner das will (<strong>Frau Quote</strong>).</li>
</ul>
<p>Ferner:</p>
<ul>
<li>Fachkräftearme <strong>Vorstandsvorsitzende</strong>.</li>
<li>Und <strong>Artemis</strong>.</li>
</ul>
<h2><span id="more-94"></span></h2>
<h2>In der Talkshow:</h2>
<p>Es ist frühlingshaft warm draußen. Drinnen ein Tisch, rund wie das Ei des Kolumbus, das er seinerzeit mit einem Wums auf denselbigen schlug, damit es stünde. Mineralwasser, viel feiner Stoff, wenig zu essen und keine Musik. Wir wohnen den Proben für die abendliche Show bei.</p>
<blockquote><p><strong>Frau Wieesheutesoläuft: </strong>Ich freue mich, dass wir es mit rund 40 Jahren Verspätung schaffen, uns alle an diesen Tisch zu setzen.</p>
<p><strong>Herr Wieesheutesoläuft: </strong>Also, da wollen wir mal die Kirche im Dorf lassen, Frau Wieso &#8211; ich darf Sie doch so abkürzen, nicht wahr, hoho. Ich und meine Geschlechtsgenossen haben immer -</p>
<p><strong>Herr Kannnicht:</strong> Schnief.</p>
<p><strong>Herr W: </strong>Sie, werter Herr Kollege, meine ich natürlich nicht -</p>
<p><strong>Frau Will-Nicht:</strong> Da muss ich aber entschieden protestieren, Herr Wie_es_heute_so_läuft. Bloß, weil sie mir letzthin die Beförderung vor der Nase weggeschnappt haben, müssen Sie sich -</p>
<p><strong>Frau Quote:</strong> Das ist ja zum Glück vorbei jetzt.</p></blockquote>
<p>Das Telefon von Herrn Wieesheutesoläuft klingelt. Frau Wieesheutesoläuft verdreht die Augen und angelt ihm das Telefon aus der Tasche. Herr Wieesheutesoläuft, der mit Frau Will-Nicht weiter debattiert, winkt ab, als Frau Wieesheutesoläuft ihm auf die Schulter klopft.</p>
<blockquote><p><strong>Frau W:</strong> Das ist Ihre Tochter. Sie wollten doch Natascha zum Ballett fahren! Ist gut, Kleine. Nimm dir ein Taxi, wozu verdient dein Vater schließlich das Geld.</p></blockquote>
<p>Sie legt auf.</p>
<blockquote><p><strong>Herr W</strong> (steht auf): Ich verbitte mir diesen Tonfall aufs Energischste!</p></blockquote>
<p>Er steht noch etwas herum. Schließlich setzt er sich wieder und zupft an seinem etwas aus der Form gekommenen Anzug. Der letzte Friseurbesuch ist auch etwas her. Nervös sieht er zu den männlichen Zuschauern, ergo den Vorständen, die streng und nüchtern in der ersten Reihe sitzen. Er winkt vorsichtig die Hand. Keiner reagiert.</p>
<blockquote><p><strong>Frau W</strong>: Wo waren wir?</p>
<p><strong>Q:</strong> Dass das mit der automatischen Beförderung der (PIEP) endlich vorbei ist.</p>
<p><strong>Frau W-N</strong> (sieht etwas pikiert zu Frau Q): Ich weiß nicht, ob ich Sie wählen würde. Bei der Wortwahl -</p>
<p><strong>Q:</strong> Sie sollen mich auch nicht wählen. Sie sollten froh sein, dass eine diesen Scheißjob hier erledigt und den Kerlen Manieren beibringt. Sie ziehen sich da ja fein raus mit Verweis auf, wie heißt das, höhere Motive?</p>
<p><strong>Herr K:</strong> Ich bin dafür! Ich bin dafür, endlich auch einmal den Frauen eine Chance zu geben. Ich bin dafür! 2000 Jahre Patriarchat -</p>
<p><strong>Herr W:</strong> Sie sind wirklich eine Schande fürs Geschlecht, mein Lieber. A propos Geschlecht (er wendet sich Frau Quote zu): Vielleicht könnten wir das anders klären, hoho?</p></blockquote>
<p>Er grinst und streicht die strähnigen Haare aus seinem etwas aufgedunsenen Gesicht. Sie nickt und reißt ihr Kostüm auf. Zum Vorschein kommen drei Sprengstoffsätze, fünf Messer und ein Maschinengewehr.</p>
<blockquote><p><strong> Q: </strong>Gern.</p>
<p><strong>Frau W-N:</strong> Sag ich ja, Karriere ist doof. Ich will doch nicht eine weibliche Version werden müssen von dem da!</p></blockquote>
<p>Sie zeigt auf Herr Wieesheutesoläuft, der rot im Gesicht geworden ist und etwas Unverständliches zischt. Sie grinst wie Lara Croft und Alice Schwarzer zusammen. Herr Kannicht sieht sie schüchtern, aber unverkennbar (PIEP) an.</p>
<blockquote><p><strong>Frau W</strong>: Sagt mal, bin ich die einzig patente Person hier am Tisch? Könnten wir jetzt bitte einmal anfangen? Die entscheidende Frage ist doch -</p>
<p><strong>Herr W</strong>: Die entscheidende Frage ist, warum ich hier sitze und mir diesen Mist reinziehen muss. Mädels, ich verrat euch jetzt was &#8211; und da bezieh ich Sie explizit mit ein, Kollege Kannicht: Wir brauchen euch nicht. Wir haben die Sache im Griff. Wenn eine von euch uns hinter geschlossene Türen begleitet und die (er ploppt mit der Zunge), ja, Gesetze einhält, ist das ja kein Problem. Ansonsten: lasst uns einfach weitermachen wie bisher, OK?</p></blockquote>
<p>Er nickt verständnisheischend zu den Vorständen, die weiterhin ernst und schweigend dasitzen. Er bildet sich dennoch ein Lächeln ein und lehnt sich zufrieden zurück. Hätte er Hosenträger, würde er sie jetzt schnalzen lassen.</p>
<blockquote><p><strong>Q:</strong> Dein Schwachsinn ist schon wieder beeindruckend. Wie lange hast du noch zur Rente, Alter?</p>
<p><strong>Herr W</strong>: 16 &#8211; wieso, was tut das zur Sache? Argh! Diese Dame hier macht mich WAHNSINNIG. Frau Wieso, verehrte Kollegin, so tun Sie doch was!</p></blockquote>
<p>Er wendet sich Frau Wieesheutesoläuft zu. Die sitzt aber gar nicht mehr auf ihrem Stuhl. Sie steht bei den Herren der Vorstandsetage und spricht mit vertraulicher Stimme. Ab und zu sieht sie grinsend zu Herrn Wieesheutesoläuft hinüber und nickt heftig. Artemis ist unterdessen an den Tisch gegangen und verteilt Pfeile. Frau Will-Nicht wehrt entsetzt ab. Artemis zuckt die Schulter und zielt auf Herrn Kannicht. Der versteckt sich hinter Q, die immer größer zu werden scheint.</p>
<blockquote><p><strong>Herr K </strong>(verbirgt seinen Kopf unter den Achseln von Q): So weich. Schnief.</p>
<p><strong>Q</strong>: Oh Gott. Ich komm mir vor wie in einem Tarantino-Film. Junge (sie hebt Herrn Kannicht hoch) -</p>
<p><strong>Herr K</strong> (schluckt Tränen der Rührung hinunter): Für dich gehe ich bis ans Ende der Welt.</p>
<p><strong>Q</strong>: Ja, wenn du da mal ankommst.</p>
<p><strong>Frau W-N</strong>: Sie besitzen wirklich eine unglaubliche Härte, Frau Quote. Der arme Mann!</p></blockquote>
<p>Frau Will-Nicht hilft Herrn Kannicht, sich auf einen Stuhl zu setzen.</p>
<blockquote><p><strong>Frau W-N</strong>: Jetzt erzählen Sie mal. Eines meiner 30 Zertifikate befähigt mich zur Traumatherapie. Sie können meiner Kompetenz ganz und gar vertrauen.</p>
<p><strong>Herr K</strong>: Schnief.</p></blockquote>
<p>Plötzlich ist diskretes Gemurmel aus dem Zuschauerraum zu hören. Alle wenden sich zur Zuschauertribüne, wo Frau Wieesheutesoläuft steht.</p>
<blockquote><p><strong>Frau W</strong> (klatscht patent in die Hände): Wir habens. Die Wirtschafts-, ja, ich darf doch sagen, die globale Wirtschaftselite und ich, wir haben zusammen einen pragmatischen Kompromiss gefunden. Ich danke Ihnen, meine Herren, ich danke Ihnen.</p></blockquote>
<p>Die Vorstände applaudieren. Ansonsten niemand. Artemis schießt einen in den Arm, der die Verhandlungsführerin für ihren weiblichen Spürsinn und ihre <em>unkomplizierte</em> Haltung lobt. Der Vorstand verzieht das Gesicht und tritt seinem Hintermann auf den Fuß, weil er denkt, er hätte ihn gekniffen.  Kurzes Gerangel, weiterhin schweigend.</p>
<p>Frau Wieesheutesoläuft geht wieder an den Tisch und rempelt Herrn Wieesheutesoläuft auf dem Weg dorthin an. Der beobachtet Frau Quote, die ihre Fingernägel mit einem scharfen Messer kürzt.</p>
<blockquote><p><strong>Frau W </strong>(mit fester Stimmt): Sie sind wirklich jämmerlich, Herr Kollege. Das da drüben, das sind echte Kerle!</p>
<p><strong>Herr W</strong> (brüllt): Ja, meint ihr, ich säße nicht auch gern da? Wenn mich euer Emanzengejammer nicht davon abgehalten hätte? Wenn  ihr Weiber nicht  immer so getan hättet, als ob ich, ausgerechnet ICH!, an euren spärlichen Berufserfolgen schuld sei. Wenn ich  -</p>
<p><strong>Q</strong>: Du bist einfach total uncool, Mann.</p></blockquote>
<p>Er will wieder handgreiflich werden, bis ihm der Sprenggürtel wieder einfällt. Frau Will-Nicht erkennt, was los ist und geht zu ihm. Ihr Rock flattert. Ihr Gesicht ist leicht gerötet. Sie lächelt.</p>
<blockquote><p><strong>Frau W-N</strong>: Kommen Sie doch, Herr Wie_es_heute_so_läuft, ich habe gerade einen Gesprächskreis mit Herrn Kannicht eröffnet, vielleicht möchten Sie auch? &#8230;</p></blockquote>
<p>Herr Wieesheutesoläuft läuft schreiend aus dem Saal. Frau Wieesheutesoläuft räuspert sich und will mit ihrem Plädoyer beginnen. Allerdings ist die Lage unübersichtlich.</p>
<h2>Im Gericht:</h2>
<p>Artemis hat das Talkshow-Studio  in einen Gerichtssaal verwandelt. Mehr so aus Langeweile. Frau Quote hat es sich auf dem Richterplatz bequem gemacht. Die Vorstände sitzen plötzlich auf der Anklagebank. Artemis nickt leise lächelnd. Sie wird die Herren <em>verteidigen</em>.</p>
<blockquote><p><strong>Herr K</strong> (schüchtern): Ich möchte mich gerne an der Aufklärung beteiligen. Kann ich mich sinnvoll einbringen?</p>
<p><strong>Q</strong> (weist auf die Seite des Staatsanwaltes): Vielleicht hier?</p>
<p><strong>Frau W-N</strong>: Ich versteh Herrn Wie_es_heute_so_läuft nicht. Das nützt doch allen, wenn wir uns einmal zusammensetzen -</p>
<p><strong>Q </strong>(rüde und sanft zugleich): Frau Will-Nicht, schön, dass Sie heute als Gutachterin zu uns kommen konnten. Was haben Ihre Untersuchungen an den Angeklagten denn ergeben?</p>
<p><strong>Frau W-N</strong> (räuspert sich und erglüht vor Eifer): Ja, also &#8211; dass ich diesen Tag noch erleben darf! &#8211; ich freue mich, Ihnen allen (sie nickt in alle Richtungen ausgenommen der Vorstände, die noch ernster gucken als eben) mein umfangreiches Gutachten zum Thema Macht und Männlichkeit vorzustellen. Ich fasse mich kurz &#8230;</p>
<p><strong>Q: </strong>Das will ich hoffen!</p></blockquote>
<p>Artemis beugt sich zu Frau Quote und gibt ihr einige Tipps bezüglich einigermaßen &#8220;neutralen&#8221; Verhaltens. Die rollt die Augen.</p>
<blockquote><p><strong>Frau W-N</strong> (spricht schneller): Erstens: Macht erfordert Kraft erfordert Zeit erfordert Freiräume. Zweitens: Kinder, und sie sind, soweit ich das sehe, der einzig sachliche Grund für die anhaltende Debatte, und Mütter gehen ein untrennbares Schicksal ein, spätestens im Akt der Geburt. Ist diese Bande &#8220;gerechtigkeitshalber&#8221; einfach auflösbar? Es muss einen dritten Weg geben. Drittens: Es gibt eine männliche und eine weibliche Version von Macht. Derzeit regiert die männliche Macht (sie sieht zu Q hin, die ihren neutralen Gesichtsausdruck versucht) und deshalb, meine sehr verehrten Damen und Herren, ist es überhaupt nicht so einfach, die weibliche Überlegenheit an Wissen, Kooperationsgeist und Effizienz in die oberen Etagen einzuführen. Ich als Frau möchte nicht -</p></blockquote>
<p>Ihr Plädoyer geht im Lärm unter. Die Tür zum Gerichtssaal hat sich geöffnet. Frau Quote strahlt. Ihr Korps ist angerückt: die Qs. Herrn Wieesheutesoläuft haben die Frauen, die mal mehr einer Amazone, mal mehr Pipi Langstrumpf gleichen, unter den Arm geklemmt. Sie setzen sich in die zweite Reihe, eine nimmt den Mann auf den Schoß. Er sieht entrückt zu ihr.</p>
<blockquote><p><strong>Frau W-N</strong>: So etwas Unerzogenes habe ich mein Lebtag -</p></blockquote>
<p>Artemis steht auf. Jedes Geräusch erstirbt auf der Stelle. Die Vorstände halten sich die Hände vors Gesicht. Die Göttin strahlt.</p>
<blockquote><p><strong>Artemis </strong>(ihre Stimme ist tief, rau und zugleich licht wie der Strahl, der das Gerichtsgebäude erleuchtet): <em>Gott ist weiblich</em>.</p></blockquote>
<p>Sie setzt sich wieder hin. Schweigen.</p>
<p>Dann ist von der Anklagebank ein leises Jubeln zu hören. Zwischen den Vorständen wühlen sich zwei Frauen mittleren Alters hervor. Die eine heißt Frau Tapfer. Die andere heißt Frau Toll, weil sie so aussieht. Sie fassen sich an der Hand und führen ein kleines Tänzchen auf.</p>
<blockquote><p><strong>Die Frauen T:</strong> Danke, Artemis. Jungs, habt ihr das verstanden?</p>
<p><strong>Vorstände </strong>(Artemis im Blick)<strong>:</strong> Jajaja.</p></blockquote>
<p>Frau Will-Nicht springt auf. Es ist der Tag ihres Lebens. Endlich kann sie alles, was sie gelernt hat, anwenden. Auch in Konfliktbewältigung hat sie ein Zertifikat. Sie schiebt den Tisch des Staatsanwaltes mit dem der Verteidigung zusammen. Herr Kannicht hilft ihr, Stühle zu rücken. Schließlich gibt sie sich einen Ruck und geht zu Frau Quote. Sie flüstert ihr etwas ins Ohr. Die flüstert daraufhin Artemis etwas ins Ohrt. Artemis nickt.</p>
<blockquote><p><strong>Q</strong> (haut mit dem Hammer auf den Tisch): Bla bla bla bla &#8230; Die Strafe ergeht wie folgt: Jeder Vorstandsvorsitzende männlichen Geschlechts muss zu einer konfliktlösungs-, äh, &#8211; orientierten Gruppentherapie bei Frau Will-Nicht. Zudem wird eine Frauenquote von 30% für die nächsten 20 Jahre festgesetzt.</p></blockquote>
<p>Frau Will-Nicht und Frau Quote klatschen sich ab. Eine Reihe gedrückter Herren geht an den Tisch. Ihre Anzüge sind verknittert. Ihre Gesichter auch. Herr Wieesheutesoläuft macht das V-Zeichen zu ihnen. Er hat eine Q abbekommen. Sie hält ihn stark in ihren Armen. Sie sieht aus wie eine berühmte Politikerin. Er ist verwirrt, aber glücklich. Die anderen Qs, die mit den Frauen Tapfer und Toll gesprochen haben, erheben sich und gehen zum Tisch. Im Hintergrund ertönt Walzermusik. Sie fordern die Herren zum Tanz.</p>
<blockquote><p><strong>Einer</strong> der in der Tat nicht so attraktiven Übriggebliebenen (ruft): Äh, Frau Richter, äh, kann die Quote, äh, vielleicht &#8230; erhöht werden?</p>
<p><strong>Q:</strong> Nope. Selbst schuld. Darf ich Sie an den Tisch bitten? Frau Will-Nicht ist eine wirklich exzellente Pädagogin. Sie findet immer &#8211; ihr neutraler Gesichtsausdruck verrutscht erneut &#8211; den wunden Punkt.</p></blockquote>
<blockquote><p><strong>Frau W-N</strong> (tritt direkt zu Artemis): Sagen Sie, muss es nicht heißen: Gott ist <em>auch</em> weiblich?</p></blockquote>
<p>Sie hat wie immer Recht. Und Sekunden später steht der Saal in Flammen.</p>
<h2>Im Himmel:</h2>
<blockquote><p><strong>Frau W </strong>(aus dem Off): Hätte mich mal einer ausreden lassen &#8230;</p>
<p><strong>Alle</strong>: Jajaja.</p></blockquote>
<p>(c) Anja Mutschler</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/dietextkultur.wordpress.com/94/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/dietextkultur.wordpress.com/94/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/dietextkultur.wordpress.com/94/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/dietextkultur.wordpress.com/94/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/dietextkultur.wordpress.com/94/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/dietextkultur.wordpress.com/94/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/dietextkultur.wordpress.com/94/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/dietextkultur.wordpress.com/94/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/dietextkultur.wordpress.com/94/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/dietextkultur.wordpress.com/94/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/dietextkultur.wordpress.com/94/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/dietextkultur.wordpress.com/94/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/dietextkultur.wordpress.com/94/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/dietextkultur.wordpress.com/94/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=dietextkultur.wordpress.com&amp;blog=18486316&amp;post=94&amp;subd=dietextkultur&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://dietextkultur.wordpress.com/2011/02/14/frauenquote-a-la-hoeg/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
	
		<media:content url="http://1.gravatar.com/avatar/1886d15065f1c2bd6daa71d3ec906c1d?s=96&#38;d=identicon&#38;r=G" medium="image">
			<media:title type="html">dietextkultur</media:title>
		</media:content>

		<media:content url="http://dietextkultur.files.wordpress.com/2011/02/frauenquote-003.jpg" medium="image">
			<media:title type="html">Frauenquote 003</media:title>
		</media:content>
	</item>
		<item>
		<title>Gehn wie ein Ägypter</title>
		<link>http://dietextkultur.wordpress.com/2011/02/11/gehn-wie-ein-agypter/</link>
		<comments>http://dietextkultur.wordpress.com/2011/02/11/gehn-wie-ein-agypter/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 11 Feb 2011 17:19:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Anja Mutschler</dc:creator>
				<category><![CDATA[@mo]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Wort des Monats]]></category>
		<category><![CDATA[Arabien]]></category>
		<category><![CDATA[Ägypten]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook-Revolution]]></category>
		<category><![CDATA[Husni Mubarak]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://dietextkultur.wordpress.com/?p=173</guid>
		<description><![CDATA[Egypt must be free Als es in Ägypten begann, habe ich, nicht nur, weil eine befreundete Familie dort wohnt, zum ersten Mal seit langem eine unverhüllte Begeisterung über ein politisches Ereignis entwickelt. Ich lebe seither im schwindeligen Gefühl, einer bedeutsamen politischen Wende beizuwohnen. Vielleicht, weil ich mich an 1989 nur bruchstückhaft erinnere: aufgeregte Verwandte, rotbackige [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=dietextkultur.wordpress.com&amp;blog=18486316&amp;post=173&amp;subd=dietextkultur&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_237" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://dietextkultur.files.wordpress.com/2011/02/schuhe-003.jpg"><img class="size-medium wp-image-237 " style="border:0 none;margin-top:10px;margin-bottom:10px;" title="Schuhe 003" src="http://dietextkultur.files.wordpress.com/2011/02/schuhe-003.jpg?w=300&#038;h=218" alt="Schuhe. (c) Michael Mutschler, 2011" width="300" height="218" /></a><p class="wp-caption-text">Schuhe. (c) Michael Mutschler, 2011</p></div>
<p><strong><a href="http://dietextkultur.files.wordpress.com/2011/02/schuhe-003.jpg"></a>Egypt must be free</strong></p>
<p>Als es in <em>Ägypten</em> begann, habe ich, nicht nur, weil eine befreundete  Familie dort wohnt, zum ersten Mal seit langem eine unverhüllte  Begeisterung über ein politisches Ereignis entwickelt. Ich lebe seither  im schwindeligen Gefühl, einer bedeutsamen politischen Wende  beizuwohnen. Vielleicht, weil  ich mich an 1989 nur bruchstückhaft erinnere: aufgeregte Verwandte, rotbackige Geschichtslehrer, unverschämt viel Fernsehzeit und nicht zuletzt meine kindliche Erleichterung,  dass  &#8220;die da  drüben&#8221; jetzt endlich  Urlaub &#8220;in Italien machen   dürfen&#8221;. <a href="http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc%7EE9BB8D229046A445BBB82E49C795B3077%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.html">Berechtigte Einwürfe</a>,     eine schwankende arabische Welt könne am Ende nachteilig für alle     sein und die Region jahrelang in Unruhen stürzen, gehen unter im Jubel     der Demokratin. Ich lese atmosphärische Artikel wie den von Khaled  Alkamissi in der <a href="http://www.fr-online.de/kultur/debatte/ein-gefuehl-von-wuerde/-/1473340/7156848/-/view/asFirstTeaser/-/index.html" target="_blank">Frankfurter Rundschau </a>und  überlege, ob man sagen darf, dass die     Facebook-Generation einen  informierteren Eindruck macht als die politische Garde auf der Münchner  Sicherheitskonferenz.</p>
<p><span id="more-173"></span></p>
<p><strong>Egypt will be free</strong></p>
<p>Ich bin durch nichts zu beirren. Nicht davon, dass ein demonstrierendes Volk noch längst kein Land regiert. Nicht von &#8220;den  Muslimbrüdern&#8221; (allein der Ausdruck &#8230;). Nicht von Irak und Afghanistan. Und auch nicht von der Realität etwas zu forsch versprochener &#8220;blühendet Landschaften&#8221;. Deren Karikatur findet sich allerortens. Wenn der Zug aus Leipzig abfährt, etwa, und die Kinder die zerbrochenen Scheiben alter Lagerhallen bewundern, die dort massenhaft die Gleise säumen. <em>Was ich denn habe, das sei doch hübsch und es glitzere außerdem auch so schön &#8230;</em></p>
<p>Ich denke an die<em> Französische Revolution</em>. <a href="http://www.tagesspiegel.de/meinung/andere-meinung/schnellkurs-in-revolutionsdynamik/3793772.html">Warnungen</a>, dass auf revolutionäre Zeiten stets reaktionäre folgen, empfinde ich als einseitig, schließlich profitiert die französische Seele nachweislich bis heute vom Sturm auf die Bastille (wie die Aachener von Karl dem Großen und die Berliner von gut organisierten Preußen. Wovon wiederum Putin profitiert, ist mir bis heute noch nicht ganz klar). Meine armen Facebook-Freunde ersticken an Links, die ich abfeuere wie Kaugummis auf das ägyptische Establishment.</p>
<p><strong>Egypt can be free</strong></p>
<p>Dass es eine Ästhetisierung politischer Aktion (also auch Gewalt) gibt, die das Gegenteil wahlkampforientierter (also auch empathieloser) 5-Euro-Debatten für Hartz-IV-Empfänger darstellt, ist mir ebenso bewusst wie die Gefahr des chronischen Aufstands, weil die demokratischen Kräfte nicht gut genug organisiert sind.</p>
<p>Nein, meine Begeisterung ist nicht zu stoppen. Ich höre von <em>Bürgerwehren</em> gegen Plünderei. Lese von <em>Dieben</em>, die ihre Beute freiwillig zurückbringen. Ich sehe <em>Demonstranten</em>, die besser Englisch sprechen als mancher aus der Vorstandsetage. Dass aus einer virtuellen Demonstration eine echte geworden ist, zeigt die Dringlichkeit des Aufbegehrens umso deutlicher. Dass der Aufstand <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/die-eu-und-der-aufruhr-in-aegypten-kuehn-handeln-fuer-europas-zukunft-1.1056264" target="_blank">nicht scheitern</a> darf, zeigt die globale Macht eines Like-Buttons &#8211; auf der Seite &#8220;Wir sind alle Khaled Said&#8221;. Die Frage, ob es nun eine <strong><em>Facebook-Revolution*</em></strong> ist oder nicht, finde ich etwas dinosaurierhaft (z.B. <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1382263/" target="_blank">hier</a> diskutiert). Natürlich!</p>
<p>Und dann: Wie gut ist mir in Erinnerung geblieben, wie mein Freund aus Kairo mir von jener Bekannten erzählte, die stundenlang in einer engen Menschenmenge demonstrieren konnte, <em>&#8220;ohne betatscht zu werden&#8221;</em>. Das sei eine Ausnahme.</p>
<p>Und es ist das beste Argument. Hosni, <a href="http://blogs.aljazeera.net/middle-east/2011/02/10/live-blog-feb-11-egypt-protests">das</a> war höchste Zeit!</p>
<p><strong>Egypt is free.</strong></p>
<p><strong><br />
</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>*Es ist, nicht zuletzt, weil es Macht und Möglichkeit virtueller Demokratie bezeugt, mein persönliches <strong><em>Wort des Monats</em></strong>.</p>
<p>(c) Anja Mutschler<strong> </strong></p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/dietextkultur.wordpress.com/173/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/dietextkultur.wordpress.com/173/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/dietextkultur.wordpress.com/173/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/dietextkultur.wordpress.com/173/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/dietextkultur.wordpress.com/173/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/dietextkultur.wordpress.com/173/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/dietextkultur.wordpress.com/173/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/dietextkultur.wordpress.com/173/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/dietextkultur.wordpress.com/173/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/dietextkultur.wordpress.com/173/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/dietextkultur.wordpress.com/173/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/dietextkultur.wordpress.com/173/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/dietextkultur.wordpress.com/173/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/dietextkultur.wordpress.com/173/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=dietextkultur.wordpress.com&amp;blog=18486316&amp;post=173&amp;subd=dietextkultur&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://dietextkultur.wordpress.com/2011/02/11/gehn-wie-ein-agypter/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
	
		<media:content url="http://1.gravatar.com/avatar/1886d15065f1c2bd6daa71d3ec906c1d?s=96&#38;d=identicon&#38;r=G" medium="image">
			<media:title type="html">dietextkultur</media:title>
		</media:content>

		<media:content url="http://dietextkultur.files.wordpress.com/2011/02/schuhe-003.jpg?w=300" medium="image">
			<media:title type="html">Schuhe 003</media:title>
		</media:content>
	</item>
	</channel>
</rss>
